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Die Apokalypse des Johannes

Romanische Ikonographie - Apokalypsedarstellungen


Diese Arbeit entstand im Rahmen des Proseminars
Christliche Ikonographie
im Wintersemester 1998/99 an der TU Dresden bei Prof. Dr. Klein.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung *

1.1. Die Verfasserdiskussion *

1.2. Zur Zeitgeschichte *

1.3. Rezeption *

1.4. Textstruktur *

1.5. Inhaltliche Textaufteilung *

2. Apokalyptische Motive *

2.1. Die Anbetung des Lammes *

2.2. Das apokalyptische Weib *

2.3. Die große Hure (Buhlerin) Babylon *

2.4. Die 24 Ältesten *

2.5. Das himmlische Jerusalem *

2.6. Die vier apokalyptischen Reiter *

2.7. Paradies – Paradiesberg – Paradiesflüsse *

3. Geschichte der bildlichen Darstellung *

3.1. Entwicklung *

3.2. Bibelhandschriften *

3.3. Apokalypsehandschriften *

3.4. Apokalypsekommentare *

3.5. Liturgische Bücher *

4. Beispiele *

4.1. Trierer Apokalypse *

4.2. Apokalypse von Chambrai *

4.3. Bamberger Apokalypse *

4.4. Beatus Kommentare *

Literaturverzeichnis *


 

1. Einleitung

1.1. Die Verfasserdiskussion

Die Diskussion um den Verfasser setzt gleich nach dem bekannt werden der Apokalypse, Mitte des 2. Jahrhunderts ein. Dabei wird die Apokalypse nicht Johannes dem Evangelisten zugesprochen. Statt dessen wird der Seher von Patmos als Autor des Textes genannt. Zur Begründung der Zuschreibung wird wie folgt argumentiert:

1. Diese Person nennt sich selbst niemals Apostel.

2. In der Textstruktur sind dramatische, mit Auditionen verknüpfte Schilderungen von Visionen vorhanden, die der Evangelist Johannes so nie verwendet hätte. Dieser spricht von der Gegenwart des Heils und benutzt außerdem eine Folge von antithetischen Begriffen wie:

Licht – Finsternis

Gut – Böse

Oben – Unten

Glaube – Welt.

Der Evangelist erhellt in seinen Schriften eher den tieferen Sinn der Reden, Wunder, des Todes und der Auferstehung Jesu.

Jedoch haben das Johannesevangelium und die Apolalypse die gleiche Entstehungszeit und sollen aus der gleichen Schule kommen.

Seit dem Ende des 2. Jh. wird die Identität des Verfassers mit dem Apostel Johannes von den meisten Kirchenvätern angenommen. Weiterhin bezweifelt wurde dies jedoch von den Kirchenvätern der Ostkirchen. Erst gegen Ende des 7. Jh. wurde die Autorenschaft des Johannes auch von diesen syrischen und griechischen Kirchenvertretern anerkannt.

Im 16. Jh. bricht der Streit in Westeuropa nochmals auf, hierbei steht die Auseinandersetzung im Zusammenhang mit dem aufkommenden Humanismus. Nachdem Erasmus von Rotterdam nochmals die Echtheit der Apokalypse bezweifelt hat, nimmt Luther die Apokalypse in seine Bibelübersetzung mit auf.

1.2. Zur Zeitgeschichte

Am Ende der Regierungszeit Domitians 81 – 96 n. Ch. wurde die Blüte der Kaiserverehrung erreicht. Die Anrede "Unser Herr und Gott" stammt aus dieser Zeit. Die Weigerung, vor dem Kaiserbild zu opfern und es zu verehren, führte zu Repressalien. Besonderer Ausdruck des Kaiserkults war durch das Standbild in Ephesus ausgedrückt.

Klar ist auch, daß die Christen diesen Kaiserkult ablehnten.

1.3. Rezeption

Das theologische Programm der Apokalypse und dessen Darstellungsweise war die Grundlage für die umfangreiche Aufnahme der Motive in die Kunst. Die inhaltliche Verflechtung verschiedener Elemente wurde zu einer Darstellung des menschlichen Daseins. Dabei erscheint das Dasein gewissermaßen von Oben, der Göttlichen Perspektive. Diese Perspektive schließt die Durchleuchtung mit Wahrheit und die Sicht vom Ende der Weltzeit her mit ein. Wesentlich ist, daß der Autor zur Darstellung das Bild als Medium mit einbezieht. Dabei entstehen die Bilder durch die Kraft der Worte quasi im Kopf des Lesers oder Hörers. Der Seher von Patmos "schaut" die Bilder, die Vorgänge der Apokalypse und macht sie durch seinen Ausdruck sinnlich erfahrbar.

1.4. Textstruktur

Das Grundprinzip des Textes ist ein überschaubarer Zusammenhang: Die Weltgeschichte, die Kosmos und Menschheit umfaßt, wird von der Beauftragung des Sehers bis zur vollendeten Verheißung vor Augen gestellt, bildhaft gemacht. Dabei werden Assoziationen verwendet und Ereignisse angekündigt, die später im Text wieder aufgegriffen und fortgeführt werden. Eine Vielzahl von Motiven wird vorausgenommen und später fortgeführt. Die Gestalten der Apokalypse werden entwickelt und deren Gegenbilder gleichermaßen etabliert.

Der Zahl Sieben als einem wiederkehrenden Element kommt große Bedeutung bei.

 

Die grundsätzlichen Gedanken kehren immer wieder, werden auf einer höheren Ebene intensiver und bleiben dabei im Gesamtzusammenhang stehen. Dadurch vollzieht sich eine stufenhafte Gesamterweiterung des Horizonts. Diese Struktur, die durch Verzahnung und abgewandelte Wiederholung eine Einheit des Gesamttextes aufweist, den Text kompakt und gewissermaßen "rund" erscheinen läßt, läßt auf den Urtext von Johannes (des Evangelisten oder des Sehers) schließen. Damit wird eine Bearbeitung des ursprünglichen Apokalypsetextes durch spätere Autoren ausgeschlossen.

1.5. Inhaltliche Textaufteilung

1.Teil, Apokalypse 1.9 – 3.22 :

Die Erscheinung Christi vor Johannes auf Patmos und die Beauftragung des Sehers, die Ereignisse aufzuzeichnen und als Sendschreiben an die sieben Gemeinden zu schicken.

2. Teil Apokalypse 4.1 – 22.5:

Die große Anbetung im Himmel (Thronsaalvision) wird gewissermaßen in 2 Akten gesehen, (Kap. 4 und 5). Als 1. Akt kann man die Liturgie vor dem Gottesthron bezeichnen und als 2. Akt die Übergabe des mit den sieben Siegeln versehenen Buches an Jesus Christus, der als Lamm bezeichnet wird. Dieser übernimmt die Herrschaft über die Geschichte. Die Auslösung der weiteren apokalyptischen Ereignisse findet durch das Lösen der sieben Siegel statt.

Die drei Visionsgruppen bleiben durch die gedanklich- bildhafte Verknüpfung im Zusammenhang stehen. Eine zeitliche Abfolge entsteht durch die Verbindung von Gegenwart und zukünftigen Geschehnissen.

1. Visionsgruppe (Apokalypse 6 – 11):

Sie beinhaltet die Erwähnung der sieben Siegel und die Posaunenvision. Die Endzeitkatastrophen als Mahnung zur Buße und die 7. Posaune als Lobpreis und Verweis auf die Eingangsvision werden beschrieben.

 

 

2. Visionsgruppe ( Apokalypse 12.1 – 19.1)

Hier ist der Kampf der satanischen Mächte gegen Gott und Christus geschildert, die dramatische Vorführung der Ereignisse wird durch Personifikationen erreicht. In der Schalenvisionen findet die Verlagerung der Plagen und Heimsuchungen der vorangegangenen Ereignisse auf das Gericht und den Sieg über die Gottesfeinde statt.

 

3. Visionsgruppe (Apokalypse 19.11 – 22.5)

Die Vollendung des göttlichen Gerichtsplanes und die Wiederkunft Christi als Richter und Sieger, das Weltende mit dem allgemeinen Gericht und die endgültige Vernichtung des Satans sowie die Erscheinung der himmlischen Stadt werden beschrieben.

2. Apokalyptische Motive

2.1. Die Anbetung des Lammes

Die Darstellung erfolgt in Monumentalwerken und Zyklen. DIE ANBETUNG DES LAMMES Das von den Evangelisten und den 24 Ältesten angebetete Lamm bildet dabei das Hauptmotiv. Bei Illustrationen haben sich feste Typen herausgebildet. Dabei hat das Lamm einen Nimbus und steht in einer Mandorla. Es ist von den Evangelistensymbolen umgeben und wird von den 24 Ältesten oder der weißgekleideten großen Menschenmenge angebetet. Im späten Mittelalter wird Gott oder Christus  auf dem Thron mit dem Lamm zu Füßen dargestellt.

In anderen Zusammenhängen ist das Lamm ist auf dem Berg Zion dargestellt, vom Bergfuß gehen die vier Paradiesflüsse aus. Auf diesen Darstellungen ist auch oft der Chor der Auserwählten zu finden.

2.2. Das apokalyptische Weib (Apokalypse 12, 1 – 8)

Wird als Himmelserscheinung mit dem Mond zu Füßen, den 12 Sternen bekränzt und der Sonne bekleidet dargestellt. Sie gilt als das Sinnbild der Kirche seit frühchristlicher Zeit, im Mittelalter erfolgte dann eine Identifikation mit Maria. Die isolierte Darstellung des apokalyptischen Weibes wird auch als Mondsichelmadonna bezeichnet. In diesem Zusammenhang sind auch Darstellungen der Maria mit einer Löwen – Drachengruppe zu finden.

2.3. Die große Hure (Buhlerin) Babylon (Apokalypse 17, 1 – 10)

Diese Gestalt wird auf einem siebenköpfigen Tier sitzend dargestellt. Sie hat meist einen Turban oder eine Mauerkrone auf dem Kopf und einen Becher in der Hand.

2.4. Die 24 Ältesten (Apokalypse 4, 4 – 5; 9ff)

Ältester war ursprünglich eine Amtsbezeichnung der hellenistischen Zeit. Die Kommentatorendeutung läuft darauf hinaus, daß es sich um verklärte Menschen, vollkommene Christen oder Engel handelt. Im Mittelalter wurden sie als die 12 Propheten des Alten Testaments und die 12 Apostel angesehen.

In den dargestellten Szenen werden sie in Verbindung mit der Anbetung des Lammes und vor dem Thron Gottes sowie dem jüngsten Gericht vorkommen.

2.5. Das himmlische Jerusalem (Apokalypse 21, 2ff)

DAS NEUE JERUSALEM Das himmlische Jerusalem wird als die Stadt aus Edelsteinen und Gold beschrieben. Sie wird oft nur durch Steine oder Mauern angedeutet. In der Romanischen Kunst wird die himmlische Stadt durch Radleuchter über dem Altar symbolisiert, wobei die Abstraktionskette den Glanz der Edelmetalle des Leuchters dem der himmlischen Stadt gleichsetzt.

Die Darstellung der himmlischen Stadt als detaillierte Landschaft erfolgt erst im späten Mittelalter.

2.6. Die vier apokalyptischen Reiter ( Apokalypse 6, 2 – 8)

Sie sind die Versinnbildlichung des über die Menschen hereinbrechenden Unglücks. Ihre Attribute sind Bogen, Schwert und Waage. Der erste Reiter hat gelegentlich einen Nimbus, dann erfolgte in einem anderen Kontext die Gleichsetzung mit Christus, der dann auch auf dem weißen Pferd sitzt. Die Farben der anderen Pferde sind Falb, Schwarz und Rot.

2.7. Paradies – Paradiesberg – Paradiesflüsse (Apokalypse 14, 1; 22, 1ff)

Die Darstellung erfolgt meist mit dem Berg Zion, auf dem das Lamm angebetet wird und die Flüsse vom Thron des Lammes ausströmen. Das sind dann meistens vier Flüsse, die seit dem 4. Jh. wiederum mit den vier Evangelisten gleichgesetzt werden.

3. Geschichte der bildlichen Darstellung

3.1. Entwicklung

Der Einfluß der Apokalypse auf die Darstellungen in der frühchristlichen Kunst macht sich ausschließlich in der Verherrlichung Christi bemerkbar. Dabei sind Kompositionen hervorzuheben, die auf die Thronvision, die Verehrung des Lammes auf dem Paradiesberg und das neue Jerusalem bezogen sind.

In den Thronbildern kommt der Gedanke vom Sieg der Christenheit, so wie er auf der Erde durch die Herstellung der Einheit von Staat und Kirche gesehen wurde zum Ausdruck. Es soll hier nur auf den historischen Zusammenhang um die Person Konstantin den Großen und das Konzil von Nizäa verwiesen sein.

Dabei ist Apokalypse 4, die Thronvision als Anregung zur bildlichen Darstellung zu sehen. Der thronende Christus, der in der Majestas Domini dargestellt wird.

Durch den Bilderstreit des 4. bis 7. Jh. gibt es keine zyklischen Darstellungen der Apokalypse im Osten. Die Darstellung des Lammes als Christussymbol war verboten, und die Aufnahme der Apokalypse in den neutestamentarischen Zusammenhang erfolgte erst in der 2. Hälfte des Bilderstreits.

Im römischen Kulturkreis kann man den Zusammenhang von Darstellung und Apokalypse schon ab dem 5. Jh. in der Monumentalkunst nachweisen. Dabei spielte das Thronsymbol und das Lamm wieder eine zentrale Rolle (z.B. Sante Coma e Damiano Rom 526 - 530 und Sante Pressede Rom).

 

Im 6. Jh. waren die apokalyptischen Motive in die Monumentalkunst aufgenommen, wobei sich konkrete Themen nicht belegen lassen, es sind keine illustrierten Apokalypsetexte oder Wandmalereien erhalten geblieben.

"Die Zyklen des frühen MA lassen auf drei verschiedene Vorformen schließen. Und sind dabei selbst in drei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe besteht aus span. Handschriften des 10. Bis 13. Jh., die alle den in Asturien entstandenen A.- Kommentar des Beatus de Liébama aus dem Jahre 784 illustrieren. Diese sog. Beatus- Handschriften haben je 76 Illustrationen voll dramat. Einzelheiten und starker Betonung des Unheimlichen (Handschrift von Valcavado, 970, Valadolid, UnivBibl.). Eine zweite Gruppe, wahrscheinlich im oberdt. Alpengebiet entstanden, hat durchschnittlich nur 50 Illustrationen in jeder Handschrift. Die Bilder sind von eindrucksvoller Einfachheit und Monumentalität. Das bedeutendste Werk dieser Gruppe ist die sog. Bamberger A., entstanden um 1000 in der Reichenauer Malerschule (Bamberg, Staatl. Bibl.). Die dritte Gruppe stammt aus dem nordostfränk. Raum und zeigt volkstümlich-erzählende, in der Qualität geringere Bilder (A. von Trier, um 860). Allen frühma. Illustrationen gemeinsam ist das Festhalten am Text, eine gewisse Vereinfachung und zeichenhafte Darst., vor allem bei der Schilderung der Naturkatastrophen." (SACHS, H.; BADSTÜBNER, E.; NEUMANN, H.: Christliche Ikonographie in Stichworten. München, Berlin 1998 S 41)

Bedeutsam sind die nordspanischen Apokalypsedarstellungen, deren Vorläufer auch nur vermutet werden können. Zwischen 775 und 800 entstand der Beatus Kommentar, dessen Illustrationen seit der 2. Hälfte des 8.Jh. belegt ist. Diese Darstellungen in den Kommentaren bleiben aber wegen der politischen und geographischen Bedingungen von den karolingischen Bilderzyklen unabhängig und bilden eine eigenständige, isolierte Gruppe bis Anfang des 13. Jh.

In der karolingischen Zeit bildet die Buchmalerei den wichtigsten Bereich für die zyklische Darstellung.

Während der ottonischen Zeit treten dann auch Wandmalereien auf, die aber wenn überhaupt nur unvollständig erhalten sind.

In der Kathedralplastik gibt es Einzeldarstellungen vor allem in den Tympana der Portale im 12. Jh. in Verbindung mit der Darstellung der 24 Ältesten, der Auserwählten und Verdammten und der Majestas Domini.

Im weiteren Verlauf der Darstellungen kommt es zu zwei großen Zyklen in Reims. Im 13.Jh. werden die apokalyptischen Motive in der Glasmalerei, im 14. Jh. in der Textilkunst und Tafelmalerei aufgegriffen. Eines der bedeutendsten Beispiele für die Textilkunst ist die großartige Darstellung der Teppichreihe von Anger, die selbst wieder auf eine Apokalypsehandschrift zurückgreift. Ausgeführt wurde sie von Nicolaus Bataille um 1373 bis 1381. Ursprünglich war das Werk 144 Meter lang und 5 Meter hoch. Erhalten sind 77 Meter, die 69 der ursprünglichen 84 Szenen enthalten. Kirchenaccessoiares werden seit dem 12. Jh. mit der Apokalypse in Zusammenhang gebracht.

Als einen Höhepunkt im weiteren historischen Verlauf der Darstellung kann man Dürers Apokalypsezyklus von 1498 ansehen.

Hauptsache bleibt aber die Buchmalerei. Hier kommen die Darstellungen in den folgenden vier Zusammenhängen vor.

3.2. Bibelhandschriften

Seit dem 9. Jh. findet man in Bibelhandschriften auch in der Apokalypse des Johannes figürliche Initialen und Tierbilder. Seit dem 11. Jh. gibt es Bilderzyklen, die in die Apokalypse eingefügt sind.

3.3. Apokalypsehandschriften

Die konkreten Gründe für die Abtrennung der Apokalypse aus dem Gesamtbuch der Bibel sind nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Ähnlich wie auch bei den Psaltern und Evangeliaren wurden die Apokalypsehandschriften für die Liturgie hergestellt. Hier kamen sie besonders in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten zum Einsatz. Die ältesten erhaltenen Apokalypsen stammen aus dem 9. Jh. und haben Illustrationen. Eine mögliche Motivation für die bildliche Gestaltung der Apokalypsehandschriften könnte die Visualisierung und damit Erklärung und Verständniserleichterung gewesen sein.

3.4. Apokalypsekommentare

Diese vor allem durch die nordspanischen Beatus- Kommentare repräsentierte Sondergruppe enthält neben dem Apokalypsetext auch kommentierende Ausführungen, und die Illustration bezieht sich nicht nur auf den Text, sondern auch auf den Kommentar.

3.5. Liturgische Bücher

Hier finden sich hauptsächlich Apokalypsemotive in den Evangeliaren und Psalterien in Darstellungen der Anbetung des Lammes mit dem Buch durch die 24 Ältesten und die große Schar der Verdammten und Erlösten, sowie die vier Wesen.

4. Beispiele

4.1.Trierer Apokalypse

Sie wurde im 1. Viertel des 9 Jh. geschaffen und es gibt keine Bestimmung des Scripteriums, des Auftraggebers oder des Zwecks. Sie findet sich heute in der Trierer Stadtbibliothek. Im 10. Jh. muß sie sich aber im Umkreis von Chambrai befunden haben, denn die Apokalypse von Chambrai ist eindeutig eine Kopie der Trierer Apokalypse. Die Darstellungen in der Trierer Apokalypse nehmen 74 Einzelseiten ein. Es sind kolorierte Federzeichnungen, die relativ kontrastarm sind. Die Zeichnungen sind kontinuierlich zur Textwiedergabe angeordnet.

4.2. Apokalypse von Chambrai

Im 10. Jh. angefertigte Kopie der Trierer Apokalypse, von der heute nur noch 48 Miniaturen erhalten sind. Den Stil der Zeichnungen kann man im Vergleich mit der Vorlage als eher malerisch bezeichnen. Diese Malweise hatte wohl bis dahin eine Tradition, die aber im 10. Jh. abzureißen scheint, weil sie in späteren Zyklen nicht mehr nachgewiesen werden kann.

4.3. Bamberger Apokalypse

Bamberger Apokalypse

Sie stammt aus dem Anfang des 11. Jh. aus der Reichenauer Malschule und gilt als eines der hervorragenden Werke dieser Schule. Wahrscheinlich ist, daß sie um 1000 von Otto dem I. (983- 1002 Kaiser) in Auftrag gegeben wurde. Später gelangte sie durch Heinrich II. als Schenkung an den Stephansstift nach Bamberg. Die Bamberger Apokalypse ist die einzig aus ottonischer Zeit erhaltene Apokalypse Handschrift, sie befindet sich in einem hervorragendem Zustand.

Der Text ist in 63 mit Initialen versehene Abschnitte gegliedert. Die Zeichnungen sind in 30 ganzseitige und 20 unterschiedlich formatige aufgeteilt, die dann auch zwischen dem Text stehen können. Die dargestellten einzelnen Spähren der apokalyptischen Thematik (Himmel, Erde, Unterwelt) sind durch Farbflächen differenziert.

4.4. Beatus Kommentare

Auf die Zusammenhänge der Entstehung ist im Rahmen der Geschichte der bildlichen Darstellung bereits eingegangen. Die Beatus Handschriften des 10. bis 13. Jh. bilden eine in sich geschlossene Gruppe der Apokalypsehandschriften und illustrieren den in Asturien entstandenen Apokalypsekommentar des Mönchs Beatus de Liébana.

Im Jahr 776 schreibt Beatus die erste Fassung seines Apokalypsekommentars. Er glaubte, in der Endzeit zu leben, für deren Präsenz es am Ausgang des 8. Jh. Berechnungen gab. Sein Kommentar war einerseits als Anregung zur Meditation über den Text gedacht und diente andererseits zur Argumentationshilfe bei einer innerkirchlichen Auseinandersetzung.

Die Beatus Handschriften enthalten jeweils 76 Illustrationen voller dramatischer Details und einer starken Betonung der unheimlichen, beängstigenden und ungeheuerlichen Elemente des Textes.

 

 

Literaturverzeichnis

BELTZ, Walter: Gott und die Götter. Biblische Mythologie. Berlin und Weimar 1982.

SACHS, Hannelore: BADSTÜBNER, Ernst; NEUMANN, Helga: Christliche Ikonographie in Stichworten. München, Berlin 1998.

KELLER, Hiltgart L. : Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Legende und Darstellung in der bildenden Kunst. Stuttgart 1996.

KOTULA, Stephan: Kirchengeschichte in Daten und Fakten. Leipzig 1998.

SCHILLER, Gertrud : Ikonographie. Bd. 5 Die Apolalypse des Johannes. Textteil. Gütersloh 1990.

SCHILLER, Gertrud: Ikonographie. Bd. 5.1 Die Apolalypse des Johannes. Bildteil. Gütersloh 1991.


Version 1.0
Letzte Aktualisierung: 18.02.1999
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