Das Tagebuch unserer Irlandreise

Die Route unserer Tour auf der Karte

Sonntag 09. 06. 96 - 3. Tag
Wir sind in Irland. Es regnet. Schon fast den ganzen Tag und in der letzten Stunde heftig. Wir liegen im Zelt, Blick auf den Lough Erne und die Welt scheint in Ordnung zu sein, wie sie sein soll.
Ich könnte nach drei Tagen auf der Insel auch schon über den Regen philosophieren. Wie ein alter Irlandhase. Erst gab es zwei Tage keinen Regen. Gestern abend ein ganz klein wenig und heute morgen dann drei Stunden ganz feinen Niesel- und Sprühregen, in dem wir tapfer von unserem Lager kurz vor Clones bis Enniskillen geradelt sind. Dort hätten wir auch nicht weiter gekonnt, weil die Defekthexe zum zweiten Mal heute zugeschlagen hatte. In meinem Hinterrad steckte ein Glassplitter. Vorher hatte sich schon kurz nach der Carry Bridge über den Erne Almuts vorderer Schaltbowdenzug verabschiedet. Den Kettenwerfer auf dem mittleren Blatt fixiert, geht es wenigstens behelfsmäßig weiter.
In Enniskillen hat es aber auch aufgehört zu regnen. In der Stadtmitte am Rathaus gab es aber auch einen Unterstand, wo wir erst mal gegessen haben und dann habe ich den Platten repariert. Ach, und einen Abstecher in die kath., Kirche haben wir auch gemacht. Da war gerade Gottesdienst. Dann sind wir gestärkt weiter, im Trocknen, die Nord- Route um den Lower Lough Erne und unser Camp ist wohl so ziemlich gegenüber von White Island. Soweit das auf unserer Karte nachzuvollziehen ist.
Es war nicht immer so ganz einfach, zu den schönen Rastplätzen zu kommen, zumindest gestern und heute hatten wir mehrere Anläufe gebraucht.
Das springt jetzt alles ein bißchen hin und her, aber wir hatten die letzten beiden Abende keine Muse etwas zu notieren und nun schreibe ich so drauf los.

Am Freitag morgen war um 7.00 Uhr Start in Dresden - Cotta nach Klotzsche zum Flughafen. Es war schon morgens recht warm und sonnig(was vom heutigen Tag ja nicht behauptet werden kann), so daß wir ziemlich durchgeschwitzt- nicht nur von der Wärme, sondern auch von der Überwindung des Elbhangs- am Flughafen ankamen. Da gabs dann auch gleich die erste Irritation, weil unser tolles Reisebüro keine Tickets für die Räder hatte. Es waren also noch mal 200,- DM für den Radtransport am Lufthansaschalter fällig. Ansonsten ging das Einchecken reibungslos und wir konnten noch am Lufthansabuffett vor dem Abflug frühstücken. Auf dem Flug nach München war gute Sicht, die Landschaft aus knapp 12 km Höhe zu betrachten hat Spaß gemacht. Ab dem Überflug der Britischen Insel wurde es immer wolkiger und von der Irischen See haben wir nur noch ab und zu ein paar Fetzen gesehen. Dafür war der Anflug auf Dublin wieder mit guter Sicht. Am Gepäckförderband wars dann noch mal kurz spannend, ob die Räder beim Umsteigen in München auch mit in den Flieger nach Dublin gekommen sind. Sie waren und wir haben die Pedalen wieder montiert und die Lenker gerade geschraubt und Wasser gefaßt..
Dann gings endlich und gleich los! Erst mal sind wir ein bißchen rumgeeiert, wegen des Linksverkehrs, aber mittlerweile sind wir schon dran gewöhnt. Die Route ging gleich nach Norden, Richtung Drogheda. Am Nanny River gabs die erste Rast, noch nicht völlig "independent", weil wir noch kein Benzin für den Kocher hatten. In Drogheda haben wir gleich die Kirche mit dem mumifizierten Kopf angesteuert und ihn auch besichtigt. Sah eher aus wie eine Bronzeskulptur. Ansonsten haben wir uns nicht aufgehalten und sind weiter nach Newgrange. Am Grabhügel angekommen war eine Besichtigung leider nicht mehr möglich, weil es schon nach 18.00 Uhr war. Dafür haben wir im zweiten Anlauf unmittelbar unterhalb des Grabes am Boyne einen herrlichen Lagerplatz gefunden. Der Farmer war gerade dabei, Futter zu mähen und meinte, wenn es uns nicht stören würde, daß er die halbe Nacht mit dem Trecker um uns rumkurvt, könnten wir da campieren. Den Versuch zu angeln, quittierten die Fische mit Gelächter und nach Abendwäsche im Boyne sind wir ziemlich müde schon gegen 21.00 Uhr eingeschlafen. Vom Trecker hab' ich nichts mehr gehört...

Dienstag 11. 06. - 5. Tag
Ich merke es am feuchten und verzogenen Buch: die letzte Nacht war naß! Aber der Reihe nach: Am Montag morgen am Lough Erne war wieder Sonne pur und der Weidezaun gab eine gute Leine zum Sachentrocknen ab. Die Fahrt auf der Nord Route entlang des Lower Lough Erne war eine Wonne! Besonders über Boa Island. Der Blick auf das Südufer mit den vielen Steilhängen und Klüften, die Inseln im See haben uns öfter "herrlich" ausrufen lassen und so manches mal einen Kreis auf der Straße drehen lassen, um den Rundumblick zu genießen. Dann ging es wieder in die Republik, die Grenze bestand aus zwei Polizisten am Straßenrand..
Anschließend kam mal wieder eine Stadt, immer merkwürdig, plötzlich wieder so viele Menschen auf einmal zu sehen und relativ grelle Farben von der Reklame. Also Ballyshannon. Eine Kleinstadt, auf den Hügel gebaut mit zwei größeren Straßen. Einbahnstraßen- für jede Richtung eine. Geld getauscht bzw. Check eingetauscht und in einem netten kleinen Laden Besorgungen gemacht. Später noch mal in einen Laden, wegen Brot.
Die letzten Meter in Ballyshannon gingen bergan, und auf die Straße nach Rossnowlagh, und er war zu sehen. Der Atlantik. Groß, in der Sonne, Gischt und die herrlichen Berge ringsrum. Die weitere Fahrt ging erst nach einem ausgiebigen Picknick vonstatten. Sie war entlang der Küste bis Donegal (leider die letzten km wieder auf der stark befahrenen N15) von etlichen "herrlichs" begleitet.
In Donegal war der erste Weg zum Tourist Office (wo alle anderen TOURISTEN auch waren) und nach dem Fahrradladen gefragt, um endlich ein gear cable für Almuts front chancer zu kaufen. Es gab endlich einen und das für nur 70 p.
Weiter gings durch das nicht sonderlich aufregende Städtchen hart bergan und entlang der Küste bis Killybegs. Da ist's dann passiert. Nach fast vier Tagen in Irland waren wir im Pub und haben Guiness getrunken. Vorher mußten wir aber auf der Straße noch anhalten und einen Leichenzug passieren lassen. Der Sarg fuhr in einem Volvo und die Trauergemeinde lief hintendrein. Für uns eine ungewohnt öffentliche Trauerprozession.
Nach den Guiness sind wir nur noch ein kleines Stück gefahren und dann hatten wir genug und haben einen gaaaanz schönen Platz mit Blick aufs Meer neben einem Cottage gefunden. Es hat wieder nicht lange gedauert, bis ein sehr alter Ire kam und nach dem rechten sah. Er war der Pächter des Landes und sehr freundlich. Meine Frage nach dem Wetter für die nächsten Tage beantwortete er mit etwas Unverständlichem, daß irgendwie doch nach "warning" klang. Das Wort davor habe ich nicht verstanden und es war dann auch so in der Nacht naß genug.... Vor dem Einschlafen haben wir noch ein bißchen die auflaufende Flut beobachtet.
Heute morgen war ich gegen 7.00 Uhr munter und es hat geregnet. Dann waren wir beide um 8.30 munter und es hat geschüttet. Dann waren wir kurz nach 10.00 Uhr endgültig munter und es hat nur noch genieselt. Da sind wir raus aus dem Zelt und ich hatte die Bescherung mit den nassen Klamotten. Sie haben an der Zeltwand gelegen und dadurch eingeweicht. Frühstück und packen bei Regen und im Stehen, ziemlich unromantisch. Dann los Richtung Carrick und wir haben uns zum Glück für die Küstenstraße entschieden, weil die zwar mit wadenstärkenden Anstiegen versehen war, aber die "herrlich" Tendenz war zunehmend. Trotz Regen. In Carrick haben wir uns auch nicht aufgehalten und sind gleich links ab zu den Klippen von Slieve League.
Das wurde dann das Extremste, was wir bisher gefahren waren. Es ging endlos bergan und mit zum Teil über 15% Steigung, dabei hat es wirklich aus vollen Kannen geschüttet. Da wir eh schon naß waren, war das egal. Irgendwann hielt mich nur noch der Gedanke am Täve im Sattel und Almut die Gedanken an Reinhold M. Und dabei immer die Befürchtung, endlich vielleicht doch den unendlichen Anstieg zu den höchsten Klippen Europas (oder zumindest bis zum Parkplatz davor) genommen zu haben, und dann nichts zu sehen außer Nebel.
Aber die Elvira vom Wolkenhebel war uns hold und hat die tapfere Schinderei belohnt. So ziemlich mit der Ankunft am Parkplatz setzte der Regen aus, die Wolken rissen auf und der Abgrund tat sich vor uns auf. Jede Beschreibung dieses Schauspiels und Anblicks kann ich mir eigentlich sparen, weil sie dem Eindruck eh nur hinterherhinken würde.
All zu lange haben wir uns aber nicht mehr aufhalten können, weil ein ordentlicher Wind aufkam und uns frieren machte. Aber die Aussicht auf Whisky und Kaffee oder Tee in Carrick haben uns beflügelt. Ein Deutscher, der ebenfalls mit dem Rad an den Klippen war und gerade ankam, als wir wieder los wollten, zollte uns immerhin "Respekt, mit dem Gepäck seid ihr hier hoch" und bestätigte den "guten Schnitt, in 5 Tagen von Dublin bis zu den Klippen."
In Carrick sind wir wirklich gleich ins erste und in dem Fall sogar beste Pub, weil es einen Kamin gab, der noch viel wohler tat als der Whisky und unsere Sachen wieder trocknete. Inzwischen hat sich sogar die Sonne immer mal wieder blicken gelassen und wir sind mit so halbwegs trocknen Klamotten wieder los, diesmal mir dem Ziel Glencolumbkille. Die Aussicht von der Straße war wirklich sehr schön, das Fahren aber sehr anstrengend, weil a) bergan und b) starker Gegenwind. Aber wir haben wieder gekämpft. Kurz vor Carrick haben wir den Abstecher zum Aussichtspunkt genommen, um auszusehen und dann stand da ja noch eine Entscheidung an: Glengesh Pass noch heute ? Ja oder Nein? Die Entscheidung fiel auf heute. Was gut war, denn der Wind hat es jetzt gut mit uns gemeint und uns kräftig geschoben, so daß wir die immerhin 500 Höhenmeter gut bewältigen konnte. Die Landschaft an dieser Strecke so schön, daß ich Beschreibungen gleich wieder lasse.
Die Abfahrt nach Ardara war der krönende Abschluß des Tages, so etwas wie ein Geschwindigkeitsrausch stellte sich ein. Jetzt haben wir kurz vor Ardara an einer Bucht wieder einen schönen Platz. Es gab Abendessen: Reis mit Käsesoße und als Dessert Bananenrädchen mit Rosinen und Mandeln. Der Bach rauscht neben uns, eine leichte Brise rüttelt am Zelt. Die Füße werden im Schlafsack langsam wieder warm. Ich schreib im Kerzenschein und Almut ist müde und wartet aufs Vorlesen.

Was noch von den vergangenen Tagen fehlt:
2. Tag Newgrange - Clones
Die dunklen Sekunden im Grab, die mich so ergriffen haben und etwas von der tatsächlichen Kraft dieses alten , heiligen Orts spüren ließen.
Die Kletterei im Turm der Klosterruine auf dem Slane Hill, das kurze Verfahren auf der Suche nach den drei Hochkreuzen in Monasterboice, die dann in ihrer Schönheit ganz unspektakulär dastanden. Dann haben wir die Abzweigung von der großen Straße verpaßt und sind doch bis nach Ardee gefahren. Dann ist es aber bis kurz vor Clones total gut gerollt und am abend fing es so ein ganz klein wenig an zu regnen.

Mittwoch 12. 06. 96 - 6. Tag
Start war um 10.00 nach Frühstück und packen und bei Sonne mit Wolken (um das mal schön zu schreiben). Dann gings die Straße bis Ardara und weiter nach Maas. Kurz nach der Stadt haben wir die warmen Sachen ausgezogen , weil die Wolken sich verzogen hatten. Dann trafen wir die zwei radwandernden Frauen aus Deutschland, die ersten "Kollegen", die wir überhaupt gesehen haben. Kleiner Plausch, dann mußten wir aber wieder unseren Rhythmus treten und sie hinter uns lassen. Auf der weiteren Strecke kam dann Travenagh Bay mit der Brücke über den Gweebarra River. Unterwegs haben wir den Errigal Mountain schon gesehen, der nächste große Berg, den wir bezwingen werden.
Und den "Herrlich Faktor auf der nach oben offenen Skala" erfunden. "HEFAMOS". Darüber haben wir die Abzweigung von der N 15 über Derrydruel nicht ernst genommen und sind durchgerauscht, eben direkt nach Dunglow anstatt an der Küste entlang. In Dunglow haben wir in einer sündhaft teuren Home Bakery Schwarzbrot gekauft, das dann auch nicht besser war, als welches aus dem Supermarkt. Die weitere Fahrt von Dunglow aus entlang der Westküste führte uns nach Burtonport. Dort hat der Aufenthalt nach Einkauf und Brotzeit doch etwas länger gedauert, weil mein Hinterrad schon wieder platt war. Diesmal hatte der Schlauch entlang der Naht Auflösungserscheinungen, so daß ich gleich einen neuen eingezogen habe...
Die Reststrecke bis Kincasslagh lief dann herrlich bei Rückenwind. Wir haben aber dann doch beschlossen, den restlichen Tag am Meer zu verbringen und waren endlich im Atlantik baden! War ganz schön kalt! Unser Lager (HEFAMOS 6) liegt hinter der Düne, was wegen des Windes ziemlich wichtig ist. Es weht nämlich ganz ordentlich und im nachhinein bin ich noch froh, daß wir die Route in dieser Richtung gewählt haben. Wir haben trotzdem die Regensachen wieder als Windschutz angezogen, sonst wär's viel zu kalt. Ein Rundgang entlang der Bucht und über die Felsen.
Abendessen: Spaghetti mit Bolognese, unsere Outdoorküche wird immer ausgefeilter. Dann noch mal Rundgang mit Wasserzoo Besichtigung. Durch die Ebbe bildeten sich kleine Seen mit zu beobachtenden Krabben, Seeigeln und -sternen. Der Sonnenuntergang war nicht so vollromantisch, wegen einer Wolke. Jetzt: 23.00 und es ist immer noch hell genug zum Schreiben.

Freitag 14.06. 96 - 8. Tag
Heute war unser bisher schönster Tag. Wieder 0 Regen und kaum mal eine Wolke am Himmel. Wir "mußten" etwas eher aufstehen, weil Ean uns ja zum Besichtigen seiner Kühe und des Melkens eingeladen hatte. Sein Vater, der uns dann führte und wirklich alles zeigte, stapfte in Gummistiefel, grauem Anzug und Schlips durch die Ställe. 100 Kühe, Kälber, das jüngste war 1 Tag alt, und bestimmt 20 Bullen. Alles sehr interessant. Ean bewirtschaftet die Farm zusammen mit seinem Bruder und einem angestellten Melker.
Nach schönem Frühstück und einer kleinen Wartungseinheit an den Rädern ging es dann gegen 11.00 Uhr los. Bis Buncrana ist die Inishowen Halbinsel zum schnellen Durchfahren gedacht, dann wird es um so schöner. Alles in allem HEFAMOS 6; die absoluten Highlights Gap of Mamore und Malin Head: 8. Der Anstieg aufs Gap war quälend, aber der Ausblick auf den Atlantik und der Rückblick auf die Berge der Halbinsel hat die Schinderei wieder wett gemacht. Die Fahrt entlang der Westküste der Halbinsel am Lough Swilly durch die zauberhaften Dörfer und Kleinstädte hat Riesenspaß gemacht.
Malin Head, der nördlichste Punkt Irlands und unserer Reise war ganz oui toll - siehe HEFAMOS. Das Lager ist am Strand von Malin, mit Blick auf die Buchten , die Inseln und den Atlantik. Die Outdoor Küche hat heute Spaghetti mit Thunfisch und garnierte Apfelsinenschnitze hergegeben.
Gestern, 13.06. 7. Tag
Die Abfahrt von unserer schönen Düne hat sich durch gemütliches Frühstück hingezogen, aber wir sind ja im Urlaub. Es ging dann gleich heftig herrlich hoch zum Mount Errigal, der erst beeindruckend vor, dann neben und schließlich hinter uns war - wir haben ihn noch am Abend vom Grain of Ailach aus gesehen. Die Fahrt durchs Gebirge war sehr anstrengend, zumal wir die Entfernungsverhältnisse Errigal Mountain - Letterkenny falsch eingeschätzt hatten. Es zog sich ewig! Dafür war die hügelige Landschaft mit den von den letzten Tagen ungewohnt vielen Bäumen Klasse. Weil wir dann die kürzeste Route nahmen, haben wir Church Hill mit dem Glebe Haus östlich liegen lassen und sind gleich bis Letterkenny. Die Strecke Letterkenny - Bridge End vergißt man am besten ganz schnell, nachdem man es hinter sich gebracht hat! Der Anstieg zum alten Königspalast Grain of Ailach war dann wirklich noch mal mega anstrengend und wir haben die letzten Meter ohne Rad zurückgelegt. Die Sicht von der Spitze des Hügels war aber in der einsetzenden Abenddämmerung total gut. Derry und die Inishowen Halbinsel lagen vor uns, die Ziele der nächsten Tage zu unseren Füßen.
Nach der Abfahrt und der Besichtigung der schönen modernen Kirche am Fuß des Berges sind wir noch in ein Pub, um Wasser zu holen und Bier zu trinken, von den Gästen gabs noch Tips für schöne Plätze, die waren uns alle zu weit und so landeten wir dann bei Ean. Er und sein Vater haben mit ihrer Freundlichkeit die mangelnde Schönheit des Platzes mehr als wieder wett gemacht. Zeit: nach 23.00 und jetzt ist's wirklich zu finster, um noch weiter schreiben zu können.

Samstag 15. 06. 96 - 9. Tag
Wir haben beschlossen, an diesem traumhaften Platz in Malin einen Ruhetag einzulegen. Sonne ohne Ende! Ein bißchen Karten schreiben, lesen, Wanderung zur Klippe und ein erneuter Versuch zu angeln, haben eigentlich den Tag auch recht schnell vergehen lassen. Almut ist gerade ins "Dorf" zum Wasser holen, ich schüssel hier so vor mich hin.
Weil ich ja die Sonne nicht so gut vertrage, hab ich mir aus der Regenplane und den beiden Stangen vom Zelt ein Sonnensegel gebaut und mich drunter gelegt. Dabei ist mir eine Verbesserung eingefallen: wenn ich die Köpfe der Zeltnägel mal rot streiche, finden die sich einfach besser beim Abbau. Und wenn man zwei Zeltstangen mehr mitnimmt, kann man einen richtig guten Unterstand bauen. Für den Fall, daß ich mal richtig viel Gepäck dabei haben will.

Sonntag 16. 06. 96 - 10. Tag
Vom schönen Ruhetagplatz aus nach gemütlichem Morgen und Frühstück bergauf und -ab an die Ostküste von Inishowen. Bis dahin war's ganz nett und in Moville gabs Eis am Strand bei einer kleinen Rast. Der Rest bis Derry war harte Arbeit. Die Straße war stark befahren, die Landschaft unspektakulär und die enorme Hitze tat ihr Übriges.
In Derry haben wir fast die ganze Stadtmauer umfahren und uns dabei sehr über das schöne Städtchen gefreut. Irgendwie für uns nicht nachvollziehbar, daß die Stadt wegen der Unruhen Ende der 60er so in die Schlagzeilen gekommen ist.
Weiter nach Osten ist die Strecke einfach grauslich, aber wohl nicht zu umgehen, es sei denn, man nimmt den Zug. Was ich auch dringend anraten würde.
Ab Limavady wieder schöne Strecke nach Norden. Im letzten Haus von Buncrana noch nach Wasser gefragt, bei einer netten Familie, die uns in die Küche bat und uns den Zeltplatz in 4 Meilen Entfernung empfahl. Vom Herrn des Hauses gabs noch Fußball-Infos.
Wir haben dann aber gleich den nächsten Abzweig nach links genommen und nach Anmeldung beim Farmer, der uns nett den Weg durch die vielen Weidetore zur Küste erklärte und auch noch Formel I Ergebnisse nannte (der Sport zum Sonntag), endlich am Abend unser Lager aufgebaut. Der Platz war wieder ganz schön mit Blick auf das andere Ufer der Bucht, an dem wir den ganzen Tag gefahren waren, und es gab das erste Feuerchen in Irland mit Strandholz. Das Abendessen bestand aus Reis mit Steinpilzen und Käsesoße. Nach den 113 km des Tages, Almut hat mich von Derry bis Limavady schön "gezogen", waren wir ziemlich erledigt.

Montag 17.06. 96 - 11. Tag
Die sonntägliche Etappe hat uns doch ganz schön geschafft und wir haben lange geschlafen, ich ziemlich schlecht. Nach der Morgenwäsche im Lake Lough Foyle gings los nach Norden, herrlich die flache Küstenstraße entlang und das nächste Highlight, mit Mussenden Temple und der Ruine des Bischofsitzes, erwartete uns eine herrliche alte Anlage, die in den einschlägigen Reiseführern viel zu wenig erwähnt wird. Dann war es schon nicht mehr weit bis Bushmils, wo wir ein bissel unsere Vorräte aufgefüllt haben. Kurz vor 18.00 Uhr waren wir dann am Grants' Causeway, gerade recht, um noch kurz einen Blick ins Touricenter zu werfen und dann fast allein diesen herrlichen Platz HEFAMOS 9 zu genießen.
Ein paar km noch bis zur White Park Bay (wirklich so schön, daß sie im Baedecker gleich auf den ersten Seiten abgebildet ist), wo wir einen an sich schönen, aber total windigen Platz zum Schlafen hatten. Abendessen war Reis, der im Kochbeutel taugt für die Outdoor -Küche einfach nix, mit um so herrlicherem geschmorten Gemüse. Die Nacht war sehr windig und dadurch kalt.

Dienstag 18.06. 96 - 12. Tag
Am Morgen ein klein wenig Regen. vom Strand aus erst mal wieder steil bergan zur Straße, daß hat uns erwärmt! Wieder nur ein paar km bis zur nächste Sehenswürdigkeit, der Carrick -a-rede Rope Bridge. Touriattraktion Attraktion, aber eigentlich spektakulärer als der Grants' Causeway. Wir stellen fest, daß wir uns schon sehr an die tolle Landschaft gewöhnt haben. Noch vor einer Woche wäre unsere Begeisterung anders, aber wohl nicht weniger gewesen. Dieser Teil der Küste und der folgende, die Glens of Antrim eingeschlossen, gehören mit zum Schönsten, was wir in den drei Wochen gefahren sind. Allerdings auch zum Anstrengendsten, die Steigungen entlang der Küstenstraßen haben's wirklich in sich, die sich bietenden Aussichten machen allerdings die schmerzenden Waden wieder wett! Bis Cushendale war's so also die reinste Wonne! Dort haben wir im Pub ein Halbzeitbier getrunken. Es gab wieder die Gespräche zur Fußball Europameisterschaft mit den Iren und die Aufforderung ihrerseits, zu Gott zu beten, daß die Engländer gegen Holland verlieren...
Dann wieder leicht beschwipst aufs Radl und das herrliche Glenariff Tal bergan. Unterwegs haben wir die Offenburger getroffen, die endlich vom Auto aus ihr Foto vom Radwanderer machen können. Jetzt liegen wir im Wald, bei Feuer und Schoki und Kippen und schreiben und lesen. Vorher gabs Linsensuppe und Wurst und Tomatensalat und die ausführliche Halbzeitwäsche im Bach. Es war schon sehr angenehm, daß viele Salz des Atlantiks wieder von der Haut zu bekommen!

Mittwoch 19. 06. 96 - 13. Tag
Es ging herrlich( HEFAMOS 6) das Glenarifftal abwärts bis Waterfood (Queen of The Glenns) und dann die absolut flache Küstenstraße entlang. Ich hatte wohl einen Geschwindigkeits-, HEFAMOS und Schönwetterrausch; irgendwann war die linke Begrenzungsmauer der Straße ganz nah und um mich drehte sich alles. Nach ein paar Minuten war's aber wieder gut und wir konnten in dem schönen Küstenort Glenarm das wunderbarste Honigeis Irlands essen. Weiter an der Küste bis Larne, wo wir im vom Kettler angegebenen Motorbikeladen nur den Tip für einen richtigen Fahrradladen bekommen konnten. Car care in der Point Street, Nähe Iceland. Es gab Bremsbacken, die ich gleich montierte und Almuts Radel war wieder o.k. Dann hatten wir richtig Hunger und haben zum ersten Mal Fish and Chips probiert, als Zusatz gab es noch gebackene Champis. Es war ganz lecker und wir haben alles in der Sonne sitzend gleich verspeist. Dann mußten wir uns ganz schön aufraffen, um aus dem recht hübschen, aber auch nicht wieder unbedingt sehenswerten Larne rauszukommen. Zunächst wollten wir ziemlich nach Westen, Richtung Antrim, haben aber mangels Straßenbezeichnung oder Ortseingangsschilder zunächst mal alle Straßen verpaßt und sind erst bei Ballycarry von der A 2 runter. In Ballycarry haben wir noch schön Besorgungen gemacht. Dann Richtung Milebush, wieder ein sich endlos an der Straße hinziehendes Neubaukaff, ohne jede Ortsschilder. Danach endlich wieder ein Wegweiser: B58 Richtung Ballynur. Wir wollten an den am Weg liegenden Seen ein Lager finden, mußten aber noch independent Wasser holen und haben bei dem ersten am Weg liegenden Farmhaus gefragt. Das war eine willkommene Pause auf dem nicht enden wollenden Anstieg. Die Farmer waren ganz nett. Aus dem Wasserholen wurde noch ein Tässchen Kaffee und die Einladung, daß Zelt auf dem Gelände aufzubauen und die Dusche zu benutzen. Nach 12 Tagen mal wieder warmes Wasser zum Waschen! Ich hatte das ja eigentlich erst für Belfast eingeplant, hab's aber trotzdem sehr genossen. Die Farmerstochter bereitete gerade das Essen für 8 Leute, es war viel zu tun, Grasernte. Schönes Abendbrot auf dem Berg vorm Zelt, in der Abendsonne und ziemlich müde. Aber sauber und vor allem auf das nur noch 20 km entfernte Belfast gespannt, sind wir in die Schlafsäcke gekrochen.

Donnerstag 20. 06. 96 - 14. Tag
Wir sind zwei Wochen unterwegs und hatten nur zwei Regentage! Eigentlich ist das nicht zu fassen. Dafür nehmen wir die nicht gerade hohen Temperaturen, tags um die 18 bis 20 Grad und nachts um die 6 bis 10 Grad gern in Kauf. Es läßt sich auch aushalten, wenn der Wind nicht allzusehr bläst. Am extremsten war's wohl in der White Park Bay. Auf alle Fälle sind wir um 11 Uhr im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker gekommen. Leider konnten wir bei den netten Farmern nicht by by sagen, die waren nämlich schon wieder auf dem Acker. Die Fahrt bis Belfast City war in einer Stunde erledigt und recht angenehm, da sich die Autofahrer auch in der Großstadt gegenüber Radlern sehr zuvorkommend benehmen. Im Zentrum hatten wir noch keine 2 Minuten auf die Karte geschaut, um uns zu orientieren, da hatten schon zwei Leute Hilfe und Erklärung angeboten. Wir haben uns zur Jugendherberge auf der Donegal Road durchgeschlagen, was nicht schwer war. Als wir hinter der City Hall noch mal auf den Stadtplan guckten, bot eine Frau mit der Frage: "Are you lost ?" schon wieder Hilfe an. Die JH ist mit 9 Pfund pro Person im Preis/Leistungsverhältnis zu teuer. Dafür, daß wir das Zimmer mit zwei an sich netten, allerdings nicht sehr gesprächigen Australierinnen teilen dürften, was ja für JH noch o.k. ist, gabs keine Kochgelegenheit, nur jede zweite Dusche war benutzbar und das Frühstück hätte mit noch mal 2 Pfund zu Buche geschlagen. Na ja, wir haben uns umgezogen, gevespert und sind zu Fuß die Stadt erkunden gegangen. Was sie tatsächlich ausmacht sind nicht die zwei, drei Sehenswürdigkeiten, sondern die Atmosphäre und das Flair, besonders, nachdem wir in den letzten zwei Wochen kaum mal mehr als 10 Leute auf einen Haufen gesehen hatten. Sich treiben lassen, hier gucken, da stehen bleiben, so kann man die Stadt schätzen lernen. Auffällig war, daß weder Militär präsent war, noch daß man mehr Polizei auf der Straße gesehen hätte als anderswo. Von der Trennung zwischen katholischen und protestantischen Bevölkerungsteilen merkt man im unmittelbaren Stadtzentrum auch nichts. Scheinbar fröhliche Menschen, die offen in die Gesichter anderer schauen, manchmal zum Gruß in der für den Norden typischen Weise den Kopf drehen und ansonsten ihren Geschäften nachgehen. Am späten Nachmittag haben wir noch mal zu Essen gekauft und im Park im Univiertel alles verspeist. Da wurde es aber auch wieder kalt und wir haben uns in die JH verdrückt. Ein bissel Zeitung gelesen und Baedi studiert, und dann wieder los, um das belfaster Nachtleben zu erkunden. Als erstes sind wir ins Univiertel und die Uni selber - schöne alte Gebäude und Gemäuer. Witzige Straßenzüge, in denen zu wohnen Spaß machen könnte. Das Studentenzentrum war schon zu, so daß dort nichts Aufregendes zu entdecken war. Der sich auf dem Stadtplan riesig ausnehmende Botanische Garten hat in Echt die Ausmaße eines Stadtparks und das Palmenhaus war 17.00 Uhr auch schon zu. Wir sind also weiter Richtung Zentrum geschlendert und dann in das THE GROWN PUB herrlich Bier trinken gegangen. BEAMISH ist eine tolle Biersorte, so dunkel wie Guiness, nur würziger. Auf dem Rückweg zur Jugendherberge haben wir drei mal die gleichen Jungs getroffen, was sehr lustig war. Zum Nachtmahl gabs gebackene Champis. Lecker!

Freitag 21. 06. 96 - 15. Tag
Almut, die vor Wärme und Weichheit des Bettes nicht schlafen konnte, hat mich 8.30 geweckt und wir haben uns recht zügig aus der JH gemacht, ohne die 2 Pfund für das dortige Frühstück zu investieren. Statt dessen beim SPAR schön Milch und Baguette gekauft und in dem Botanischen Garten vors Palmenhaus auf die Bank zum Frühstück gefahren. Auf der Wiese in unserm Rücken liefen die Aufbauten für das Van Morrison Konzert am Samstag... Noch 'ne Runde durchs Palmenhaus und dann aus Belfast rausgefahren. Der Weg war gut beschrieben und nach einer Stunde waren wir auch schon in Hannahstown. Weiter und weiter, vorbei am Lough Neagh, nett und beschaulich, auch windig, gings bis zum Abend in Armagh. Almut gings nach der fast schlaflosen Nacht nicht so gut und die letzten Kilometer waren schwer in den Beinen. Armagh hätte, wären wir tags und fitter und munterer dort gewesen, sicher zu längerem Verweilen getaugt. So gabs nur eine Stadtrundfahrt und Irish Coffee und Bier im Pub. Danach noch mal für 5 km aufgerafft und am alten Fort einen schönen, wenn auch wasserlosen Schlafplatz gefunden. Es war der längste Tag des Jahres und bis spät erstiegen noch Leute den Hügel des Forts, was wir bei Schoki und Kippen fernsehmäßig beobachteten.

Samstag 22. 06. 96 - 16. Tag
Sind früh relativ zeitig, 10.00 Uhr los und haben vorher noch das Fort , einen unspektakulären Hügel, bestiegen. Dann ein Stück durch die Republik und wieder nach Nordirland. In Derrynawylt Besorgungen gemacht und ein Stückel später gevespert. Dann gings weiter nach Lisnaskea (Besorgungen) und noch ein Stück bis zum Ufer des Erne. Die Schleife hatte sich geschlossen und wir haben den Erne wie einen alten Bekannten begrüßt. Hinter Tully H2O gebunkert und am Ufer einen ganz schönen Platz im hohen Gras gefunden, Es war noch zeitig am Abend, rumgeschüsselt, dem Möwengekreisch gelauscht, versucht zu angeln. Zum Abendbrot gabs Reis mit Curry, Mandeln und Rosinen, Mustard mit Keksen und Ananas. Alles, was die Outdoor Küche hergibt. Ein besonders schönes Stück Straße war die zwischen Middletown und Donagh. Ein schöner Tag, es ist bei Almut nicht so gut gerollt und es war ein bissel arg windig.

Sonntag 23. 06. 96 - 17. Tag
Ein windiger, möwenkreischiger, aber immer noch trockener Morgen (heute, Dienstag, wo ich dies schreibe, ist noch immer kein Regen in Sicht und das, was da gerade so aussieht, ignorieren wir). Die folgende Strecke bis Killashandra entsprach einer von Wolle empfohlenen und war sehr schön. Killashandra selber war nicht so toll, dafür gabs gutes Eis. Und bei Almut ist es wieder gerollt! Ab Killashandra haben wir unsere eigene, schnelle Nord - Süd Verbindung kreiert. Das Ziel lautet Wicklow Mountains, und um noch mal an die Westküste zu fahren, fehlt die Zeit, die Ostküste wollen wir nicht, weil da wieder ein Bogen über Dublin fällig wäre und das wollen wir uns für de Schluß aufheben. Also knicken wir in Killashandra nach Süden ab und nehmen unklassifizierte Nebenstraßen nach Arvagh. Landschaftlich schön, hügelig und an Seen vorbei. In Arvagh weiter nach Gwona und dort um die Seen herum. Tolle Aussichten, Gwona - Arcannacliff (ein bissel verfahren, aber toll durch die Seen) und dann auf praktisch nicht beschilderten oder verwirrenden Bezeichnungen folgend irgendwie doch bis Granard gefahren. Einen Brotladen gesucht, dabei mit einem Iren über Fußball geredet und ein Stück D- Kroatien gesehen. Dann sind wir weiter nach Abbeylara, die Klosterruine ist recht imposant. Und dann Richtung Coole. An der Brücke über den Inny River haben wir gedacht, wir würden ein Stück weiter am Wald und Fluß etwas zum Lagern finden, das gabs aber nicht und wir sind wieder zurück und an der Brücke geblieben. Ich war ziemlich müde, der Heuschnupfen hat die Augen jucken und brennen gemacht, ein bissel Wasser aus dem Fluß hat aber Linderung gebracht. Zwei Iren, Vater und Sohn, versuchten zu angeln , haben aber auch nichts gefangen. Das hat mich beruhigt, ich bin also nicht der Einzige, der in Irland keine Fische fängt.
Wir haben die Sonne, die ganz harmlos durch den bedeckten Himmel schimmerte, nicht ernst genommen, jetzt gibts ein verbranntes Gesicht und verbrannte Ohren.
Zum Abendessen hatten wir Spaghetti und Pilze mit Käsesoße. Hm. Lecker.
Vor dem Einschlafen kollerte etwas gegen die Zeltwand, und dann raschelte und feixte es. Zwei Kinder haben mit mir dann noch Räuber und Gendarm gespielt...

Montag 24. 06. 96 - 18. Tag
Der von der Strecke her langweiligste Tag, das Schönste war noch Tullynally Castle, ein Abstecher von der Straße , der sich wirklich sehr gelohnt hat. Wir träumten ein bissel, wie es wäre, hier einen Sommer zu verbringen oder einen Theaterwerkstatt abzuhalten!
Dann waren es nur noch ein paar km schöne Straße um die Seen des Lough Derravangh herum, bis nach Mulligar. Ein paar Besorgungen und kurz nach dem Ort auf einer Schafweide gevespert. Dann weiter nach Rochfordbridge ( unspektakulär), aber es ist gut gerollt und wir haben der schnellen N - S Verbindung alle Ehre gemacht. Das Stück von Rochfordbridge bis zum Grand Canal ging durch Abbaugebiete von Torf, war nicht besonders schön anzusehen, wie die braunen Staubwolken durch die Luft wirbelten. In Ellenwood gabs im Pub ein Vorgeburtstagsbier von Almut und Wasser in die Flaschen. Dann haben wir gleich am Canal das Lager aufgebaut. Es war ein schöner, windstiller Abend mit leider ganz vielen ekelhaften Stechtieren. Da, wo sie uns erwischten, bildeten sich Blasen auf der Haut, die erst Tage später wieder abgeheilt sind. Es gab noch einen abersten erfolglosen Angelversuch, einen schönen Sonnenuntergang und zum Abendessen Linsensuppe, Tomaten - Gurken Salat und in Olivenöl gebackenes Brot mit Spiegelei.

Dienstag 25. 06. 96 - 19. Tag
Almuts 22. Geburtstag, und es war ein schöner, sonniger Morgen mit Geburtstagstisch und Frühstück. So gegen 11.00 Uhr sind wir los und bis in die Wicklow Mountains waren es ja nur noch 30 Kilometer. Die Berge begannen von SW her kommend ganz ruhig, mit kleinen Steigungen und Kurven, viel Wald und der, je weiter wir nach Süden kamen, milder werdenden Landschaft. Im Vergleich zum Donegal ist wirklich alles ruhiger, runder und friedlicher! In Blessington, der Perle der West- Wicklows, haben wir Erdbeeren und Milch gekauft und dann am See schön gemappelt. die ersten Erdbeeren in diesen Jahr. Dann gings rund um den See und auf das Wicklow Gap hinauf, der Anstieg war in einer Stunde geschafft und im Vergleich zu den Küstenstraßen im Norden ziemlich moderat. Oben gabs eine kleine Umzieh- und Fotopause und ein Gespräch mit ein paar Jungs, die am Wasserkraftwerk gearbeitet haben. Natürlich über Fußball.
Dann die herrliche Abfahrt (HEFAMOS 6) nach Glendalough hinunter. Dort war ein solcher Touri- Rummel, daß wir ziemlich schnell wieder flüchteten. Im örtlichen Pub, auch sehr tourimäßig, was wir an den Preisen merkten, haben wir noch ein Bier getrunken und uns überlegt, daß wir den nächsten schönen Platz nehmen, um unser Lager aufzuschlagen und noch ein bissel Geburtstag zu feiern. Wir haben dann auch noch gut eine Stunde schön gesessen, aber gerade als das Essen (Eier in Dillsoße mit Reis, Nachtisch: Mustard mit Ananas und Biscuit) fertig gekocht war, haben wir uns vor dem einsetzenden Regen unter die Bäume verziehen müssen und später sogar ins Zelt, weil es doch ganz heftig wurde. Almut hat mir solange es noch hell war, aus dem "Dubliner" vorgelesen und irgendwann sind wir schön weggepennt.
Die Wicklows erwiesen sich als ganz schönes Gebirge, aber in ihrer bewaldeten Lieblichkeit mit den Bergen im Norden nicht zu vergleichen. Sie sind eben die Touriattraktion vor der Haustür Dublins. Beispiel: Glendalough mit Eisverkauf und Souvenirstand oder, Meeting of the Waters, der Zusammenfluß zweier Gebirgsbäche wird zum touristischen Ereignis, das natürlich genügend Busse anzieht. Jetzt, wo wir hier sind, stellen wir fest, daß anderthalb, maximal zwei Tage, auch langen, um all die Sehenswürdigkeiten anzuradeln.

Mittwoch 26. 06. 96 - 20. Tag
Es hat zum Glück wieder aufgehört zu regnen und die Sonne scheint so ein bißchen. Morgenwäsche im herrlichen, gar nicht so kalten Bach und Frühstück wie immer mit Müsli und Milch. Almut ist noch einmal zurück gefahren, auf der Suche nach ihrem blauen Kapuzenpullover. Ich packe in der Zeit und mehre so vor mich hin. Almut kommt ohne Pullover zurück und wir vermuten, daß er oben am Gap of Wicklow liegen geblieben ist. Doch den Pass wollen wir uns wegen des Pullovers nicht noch mal geben und so wird er abgeschrieben. Kurz nach 11.00 Uhr gings dann los. Das Vale of Clara entlang bis Woodenbridge. Schön, aber eben wieder der Effekt, im Norden Schöneres gesehen zu haben. Wären wir als erstes hierher, hätte unsere Begeisterung wahrscheinlich größer ausgesehen. Eigentlich geht alles ganz schnell und wir sind wieder am Meer, in Arklow, wo wir die herrlichsten Besorgungen machen: Schoki, Brot, Obst, Milch und Fleischdosen. Ein Stück hinter dem Ort, wir hatten erst mal die Abfahrt zur Küstenstraße nicht ernst genommen und sind dann wieder bergab zurück gefahren. Am Strand gabs dann ein schönes Picknick und anschließend sind wir noch höchstens 10 Kilometer auf der schönen Küstenstraße weiter. Dann haben wir uns wieder zum Strand geschlagen und mal zeitig ein Lager aufgebaut, es war 16.30, die Sonne schien und wir konnten herrlich faul in ihr liegen. Der Rest des Tages war mit Holz sammeln, Karten schreiben und Kochen (Kartoffelsuppe mit Stew aus der Dose verfeinert) ausgefüllt. Wir haben dann noch sehr lange am Feuer gesessen und auf den Mond, der einen herrlichen Schein aufs Meer geworfen hat, geschaut. In der Nacht, wahrscheinlich eher am Morgen haben die Raben alle unsere Süßis geklaut!! Ich hatte sie dabei gar nicht gehört und Almut wohl so im Halbschlaf, sie hat von Enten geträumt... Jedenfalls sind bestimmt 300 Gramm Schoki an die Vögel gegangen. Selber schuld, was lassen wir das Zeug auch draußen liegen.

Donnerstag 27. 06. 96 - 21. Tag
Heut sind wir genau drei Wochen unterwegs. Ich sitze im Morgenlicht am Strand und habe das Feuer wieder angefacht. Eigentlich nur so zum Spaß, weil noch Glut da war. Jetzt wärmt es mich und ich bin froh darüber, Almut ist nach der Entdeckung des Schokidesasters wieder eingeschlafen. Ich schreibe, vor allem hatten die letzten zwei Tage gefehlt und es fehlen auch die ganzen Streckenbeschreibungen, hoffentlich bekommen wir alles wieder zusammen. Ich fange gleich mal an nachzutragen, Almut schläft noch so schön. Langsam aber sicher geht unsere Zeit in Irland zu Ende und ich bin froh, daß wir es vor den beiden Tagen in Dublin hier noch mal so schön haben. Ein bissel Wehmut kommt auch schon auf, gleichzeitig aber auch Vorfreude auf Dresden und die Sachen, die dort wieder machen können.
Wir haben dann nach dem Frühstück beschlossen, an diesem Strand zu bleiben und einen Ausflug zu machen. Da wir die ganze Zeit über noch nie in einer Situation waren, wo wir gedacht haben, hier hätte uns jemand bestohlen oder uns sonst irgend etwas Böses getan, haben wir das Zelt und die anderen Sachen am Strand gelassen und sind nach Ashford gefahren, um den Botanischen Garten zu besichtigen. Da wars ganz schön, ich glaube der schönste Park, in dem ich je war. Am besten war der Steg in einem Bachlauf, der so überwachsen war, daß man in einem grünen Tunnel gelaufen ist und unter einem hat das Wasser gegluckst. Weil wir immer noch nicht genug Wasser gesehen hatten, wollten wir unbedingt noch zu Devils Punchbowl im Devils Glen. Das zu finden war total schwer, weil wir den Eingang ins Tal irgendwie verpaßt hatten und dann hat uns der Teufel an der Nase herum und in die Irre geführt. Letztendlich war seine Badewanne dann auch nicht, wie vom Reiseführer versprochen, von einem 40 Meter Wasserfall gespeist, sondern der Bach stürzte höchstens 15 Meter in die Tiefe. Es war trotzdem ein schöner Ausflug und wir haben auf dem Rückweg noch Wicklow besichtigt. Eigentlich wollten wir ja nur eine kleine Tour machen, am Ende sind wir, wenn auch ohne Gepäck, gut 70 km gefahren. Zurück an unserem schönen Lagerstrand gabs Abendessen am Feuer, dann fing es aber an zu regnen und wir mußten uns ins Zelt verziehen. Schade an unseren letzten Abend im Freien hätte es nicht Regnen müssen, aber wir konnten uns ja wirklich nicht beklagen!

Freitag 28. 07. 96 - 22. Tag
Mit irgend etwas hatte ich mir den Magen verdorben und mir gings in der Nacht schon nicht gut, an diesem Morgen war an zeitiges Aufbrechen nicht zu denken, ich mußte erst mal meinen Magen aufräumen...
Die Küstenstraße, die auf der Strecke bis Greyston sehr schön war, führte uns in Richtung Dublin. Ab Greyston war eigentlich schon Vorortverkehr auf den Straßen und entsprechend wenig Spaß hat das Fahren gemacht. Zu allem Übel hatten wir auch kurz vor Dublin noch einmal eine Reifenpanne. Irgendwie hatten wir dann so gegen 18.00 Uhr das Zentrum erreicht und uns schon gewundert, wieso so ein Haufen Leute unterwegs waren, bis wir merkten ,daß an diesem Abend das Tina Turner Konzert stattfand. Natürlich waren alle billigen Unterkünfte schon längst ausgebucht und es war wirklich hart, noch etwas zu finden. Das Quartier war dann eine Baumarktholzhütte, die auf dem Hinterhof eines Studentenwohnheims stand. Für 7,50 Pfund ein wahrlich fürstliches Domizil. Wir wollten aber nicht meckern, einen Platz zum Schlafen und zum Sachenunterstellen hatten wir, und Dusche und Küche konnten wir ja im Haus benutzen. Den Abend haben wir noch in der Stadt verbracht, mit rumlaufen und essen gehen und staunen und Menschen ansehen.

Samstag 29. 07. 96 - 23. Tag
Ein ganzer Tag in Dublin zu Fuß, mit allen Sehenswürdigkeiten und netten Straßenzügen, die wir gefunden haben, als wir nur noch ziellos durch die Straßen schweiften. Am schönsten war es in Temple Bar, wo wir auch den Abend verbrachten und in einem herrlichen mexikanischen Restaurant gegessen haben. Den Abschiedstrunk von Irland gab es noch in einem Pub, wo auch musiziert wurde und wir uns ganz nett mit ein paar Amis unterhalten konnten.

Sonntag 30. 07. 96 - 24. Tag
By, By Irland. Den Weg zum Flughafen haben wir etwas überschätzt, statt der geplanten Stunde hatten wir es schon in der Hälfte der Zeit geschafft. Auf dem Flughafen gabs noch mal kurz Streß mit den Rädern, weil die Air Lingus darauf bestand, daß sie in Plastesäcke verpackt werden müssen. Es geht heimwärts und irgendwie brauchen wir, in Dresden angekommen, schon eine Weile, bis wir uns wirklich wieder da fühlen.


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Letzte Aktualisierung 22.08.2001
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