Die
Ikonographie der Querhausportale von Chartres
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Autoren, die sich mit der Darstellung, Beschreibung und Interpretation der
umfangreichen Portalprogramme an den Querhausportalen in Chartres auseinander
gesetzt haben, bewegen sich zwischen zwei Polen, die in einer Frage zusammenzufassen
sind: Ist es möglich, das Programm der Kathedralskulpturen an den Querhausportalen
in Chartres als die Summe seiner Einzelteile zu verstehen und es auf diese Art
und Weise zu erschließen, oder soll beim Entziffern des Programms davon ausgegangen
werden, dass es eine konzeptionelle Idee gibt, die als gestalterisches Generalthema,
gleichsam auf der interpretatorischen Metaebene wirkend, für die Bildszenen
als Schlüssel zum Verständnis anzunehmen ist? Die Figurenkonstellation des Nordportals
lässt weder historisch noch szenisch betrachtet ein einheitliches Bild entstehen.
Hier setzt insbesondere die Darstellung Martin Büchsels
an: Nur das Herausstellen
der begrifflichen Struktur der Querhausportale zeigt die Verbindung dieser untereinander
und führt zu befriedigenden interpretatorischen Ergebnissen und neuen Hypothesen
bezüglich der komplizierten Baugeschichte des Querhauses in Chartres. Seit den
Darstellungen von E. Mâle
sind liturgische Texte Grundlage der ikonographischen Interpretation der Kathedrale.
Dabei werden vor allem die Texte des Honorius Augustodunensis, das Mitrale von
Sicardus und das Rationale von Durandus zu Grunde gelegt. „Diese liturgischen
Texte sind von J. Sauer
so gelesen worden,
als werde darin die Symbolik des im 12. und 13. Jahrhundert aktuellen Kirchenbaus
ausgebreitet.“
Die Literatur des
12. und 13. Jahrhunderts belegt die intensive Bearbeitung der Architekturbeispiele
der Bibel, die zu weiteren Auslegungen geführt haben.Die Kathedralbauten zeigen
jedoch keine tatsächlichen Nachbauten des Tempels oder anderer beschriebener
bzw. ausgelegter biblischer Bauwerke. Jedoch sind in den realisierten Bauten
Themen der Tempel- und Tabernakelexegese nicht auszuschließen, Abt Sugers Bezug
auf die Apostel bei den Säulen in St. - Denis sind dafür beispielhaft.Die Kirchensymbolik
entstammt einem System, das sich unabhängig von der gebauten Kirche entwickelt
hat. Der Bau gilt als Metapher, seine Formen sind das Vokabular der weltlichen
(u.a. Machtansprüche geltend machenden) und der spirituellen Kirche gleichermaßen.
2. Baugeschichte
Die Kathedrale von Chartres ist das bedeutendste Marienheiligtum Frankreichs.
Sie hat in einem an anderer Stelle gelegenen vorchristlichen Kultplatz ihren
Ursprung, an dem sich eine Quelle befunden haben muss. Deren Umfassung ist ergraben
worden. An diesem Kultplatz wurde die „Virgo paritura“ - die Jungfrau, die gebären
sollte - verehrt. Die Statue dieser Jungfrau soll noch bis 1650 in der Krypta
unter der Kathedrale gestanden haben. Während der Französischen Revolution wurde
sie 1793 vor dem Westportal verbrannt.Die erste christliche Kathedrale entstand
in Chartres um 350 n. Chr. und wurde durch Bischof Aventus errichtet. Dieser
von den Normannen zerstörte Bau hatte mehrere Folgebauten, die größer und umfangreicher
ausgestattet als ihre Vorgängerbauten ausgeführt wurden, aber Feuern oder Kriegen
zum Opfer fielen.Die dritte in Chartres erbaute Kathedrale ließ Bischof Giselbert
im 9. Jh. errichten. Sie enthielt eine Grablege, das sogenannte Lubinus – Martyrium.
Dieser Bau durfte deshalb nicht auf dem Gelände der alten Kathedralen liegen,
da dort auch die heilige Quelle war, mit der sich immer noch der vom „Virgo
paritura“ zum „Virgo qui paeperit“ – der Jungfrau, die geboren hat – gewandelte
Mythos verbunden war und sich eine Grablege damit nicht vereinbaren ließ.875
erfolgte die für die Begründung als Marienheiligtum wesentliche Schenkung der
Marienreliquie durch Karl den Kahlen an Chartres. Die „Sancta camisia“ gilt
als die Tunika, die Maria bei der Geburt Jesu trug. Auf den Abt und späteren
Bischof von Chartres, Fulbert, geht der Bau der 4. Kathedrale zurück. Dieser
Bau umschloss das Labinus – Martyrium und gliederte es in die neu geschaffene
Krypta mit ein.1134 brannte Fulberts Kathedralbau und die Westfassade wurde
dabei zerstört. Danach entstand an gleicher Stelle das erste Figurenportal in
Chartres, das Königsportal am neu errichteten Westportal.Bei einem verheerenden
Stadtbrand 1194 brannte auch die 4. chartreser Kathedrale fast vollständig ab,
lediglich die Westfassade und der Südturm, sowie die unteren Geschosse des Nordturms,
die Krypta und die Chorfundamente blieben erhalten.Nach einer kurzen Phase der
Lähmung, die sowohl die Bürger der Stadt als auch das Domkapitell erfasst hatte,
beschloss man, die Kathedrale neu zu errichten. Das der Neubau nicht nur religiöse,
sondern auch wirtschaftliche Gründe hatte, wird aus dem Zusammenhang von Marienheiligentum,
das eine der bedeutendsten Wallfahrtstätten des Mittelalters war, und den damit
verbundenen Einnahmen aus dem „Pilgertourismus“ für die Stadt deutlich.
Dieser Neubau sollte
die von Fulbert angelegte Krypta erhalten. Durch die geplante Einbeziehung der
bei dem Brand verschonten Westfassade waren somit die Langhausmaße des Neubaus
vorgegeben. Diese Grundrissvorgabe war nur durch das Einfügen eines Querhauses
in den Neubau zu variieren. Im Aufriss des Neubaus hingegen waren keine durch
den Vorgängerbau gesteckten Grenzen gesetzt, lediglich das Nordportal musste
integriert werden. Die so begrenzte Gestaltungsfreiheit führte zu der Bauausführung,
die heute in Chartres erhalten ist.Das Langhaus wurde mit einer mächtigen Gewölbehöhe
von 37 Metern ausgeführt, anstelle der Emporen trat das Triforium und der Obergaden
erreichte die gleiche Höhe wie die Arkaden. Das 16,40 Meter breite Hauptschiff
wird von einfachen Seitenschiffen begleitet. Das eingefügte Querschiff trennt
das Hauptschiff eindrucksvoll vom Chor und verleiht diesem seine Größenwirkung.
2.1. Entstehung der Querhausportale
Man kann wohl davon ausgehen, dass gleichzeitig mit dem Bau der Querhäuser auch
mit der Konzeption für die Ausgestaltung der Querhausportale begonnen worden
ist. Während des Baus, bei dem sich zeitgleich mit dem Bau der Querhausschiffe
auch die Arbeit der Skulpturwerkstätten vollzog, hat sich ein Planwechsel ergeben.
Der oder die Gründe für diesen Planwechsel sind nicht nachgewiesen, der Fakt
stützt sich im wesentlichen auf den baulichen und ikonographischen Befund. Die
Ikonographie des Nordportals ergibt einen deutlich heterogeneren inhaltlichen
Portalaufbau als den im Unterschied dazu viel homogener zu lesenden Portalaufbau
des südlichen Querhauses. Trotz des scheinbar nicht schlüssigen, im ikonographischen
Programm eigenartig uneinheitlich wirkenden Aufbaus im Nordportal gibt es eine
theologische Idee, einen detaillierten Plan. Damit kann auf der Ebene der ikonographischen
Interpretation sowohl ein Zusammenhang der einzelnen Portale des Nordquerhauses
untereinander, als auch ein Bezug der Portale des Nord- und Südquerarmes in
Chartres hergestellt werden. Insbesondere Martin Büchsel hat durch seine Interpretation
des rechten (westlichen) Querhausportals, des Salomon – Hiob – Portals, die
Zusammenhänge deutlich gemacht und auf der Grundlage seiner ikongraphischen
Auslegungen auch einen Vorschlag zur Rekonstruktion der Baugeschichte der Querhausportale
unterbreitet. Zunächst sollen kurz die einzelnen Hypothesen zur Entstehung der
Querhausportale skizziert werden, ohne dabei, soweit das möglich ist, auf die
ikonographischen Einzelheiten der Querhausportale einzugehen.Nach den Baubefunden
war ursprünglich am nördlichen Querhaus nur ein Portal vorgesehen. Mit dem Bau
des Nordportals wurde begonnen und als das Südportal nach dem Planwechsel bereits
mit drei Durchbrüchen im Wandaufbau für die Portale entstand, wurde das Nordportal
entsprechend angeglichen. Dieser Darstellung folgen die meisten der Autoren,
die zur Ikonographie und Baugeschichte der chartreser Querhausportale publiziert
haben.Nach dem allgemein
als zu spekulativ abgetanen Versuch von Jan van der Meulen und Jürgen Hohmeyer
entstand Büchsels Vorschlag zur Entstehung der Querhausportale. Van der Meulen
und Hohmeyers Vorschlag sieht nach einer akribischen Vermessung und dem Zusammentragen
weiterer Indizien vor, dass das Weltgericht des südlichen Querhausportals eigentlich
das schon ausgeführte Skulpturenprogramm für ein neu zu errichtendes Westportal
gewesen sein muss. Flankiert worden wäre das Weltgericht dieses neuen Westportals
vom sich jetzt links an der Südseite befindlichen Märtyrerportal und dem Epiphanieportal.
Das Epiphanieportal befindet sich heute links des Marien – Krönungsportals an
der Nordseite des Querhausarmes. Dieses Westportal wäre dann, so van der Meulens
Hypothese weiter, auf Grund des Planwechsels nicht mehr ausgeführt worden und
die schon gefertigten Skulpturen des Weltgerichts seien eben an die jetzige
Südseite des Querhauses „transplantiert“. Das an der Nordseite vorhandene Maria
- Triumph – Portal wäre demnach das dafür original vorgesehene Portal und ist
durch das Hiob – Salomo - Portal auf der rechten (westlichen) Seite und das
Epiphanieportal links ergänzt worden. Das nach Süden verlegte Weltgericht vom
Westportal hätte dann zur Vervollständigung neben dem Märtyrerportal noch das
Bekennerportal auf der rechten (östlichen) Seite bekommen.Dem gegenüber steht
Büchsels Entwurf der Baugeschichte der Portale, der sich auf eine tiefgehende
Interpretation des ikonographischen Programms stützt. Zunächst geht er davon
aus, dass am Anfang der Chronologie der chartreser Portalskulptur die Gewände
des Maria - Triumph – Portals stehen und das Querhausprogramm seinen ideellen
Anknüpfungspunkt an der Westfassade in Laon findet, der den Marientriumph, begleitet
von der Epiphanie (links) und dem Weltgericht (rechts), vorstellt. Durch die
Darstellung von Marientriumph und Epiphanie wird die mariologische und christologische
Verbindung innerhalb des Portalprogramms geschaffen. Das ist in Laon ein absolutes
Novum, bis dahin hat es diese Verbindung in der Portalskulptur nicht gegeben.Bei
der Konzeption der Querhausportale muss auch für Büchsel das Programm der Südfassade
einheitlich gedacht worden sein, während das der Nordfassade heterogen ist und
dessen ikonographische Konsistenz nur in Verbindung mit dem Südportal zu denken
ist: „Die typologische Korrespondenz der Laoner Konzeption von Marientriumph
und Epiphanie ist in Chartres nicht realisiert worden. Die christologische Typologie
am Gewände des Maria - Triumph – Portals erhält keine mariologische Antwort
am Gewände des Epiphanieportals. Das Programm des Hiob – Salomo – Portals hat
in dem Weltgericht der Südfassade seinen Angelpunkt. Es scheint der gleichen
Planänderung zu Grunde zu liegen, wie die Südfassade. Hierin dürfte der Grund
für die ungewöhnliche Beschränkung auf Themen des alten Testaments liegen.“
.Büchsels
Vorschlag für den Bauablauf sieht die Einbindung der vorhandenen Westfassade
in den Neubau vor. Das führt für ihn dazu, die Querhauskonzeption als Hauptfassadenkonzeption
zu betrachten. Demnach sah diese Konzeption vor, im Süden den Marientriumph
von Epiphanie und Weltgericht flankiert zu bauen und damit eine zum Laoner –
Westportal konforme Konzeption umzusetzen. Die Planänderung führte zum Ausbau
des ohnehin an der Nordseite geplanten Weltgerichts zu einem eigenständigen
Querhausprogramm an der Südseite. Damit ist auch die liturgische Überordnung
über den Marientriumph einhergehend. Der Anlass für den Planwechsel können für
Büchsel die Kriege gegen die Albignenser gewesen sein, die ihren Höhepunkt 1219
im Kreuzzug des zukünftigen Königs Ludwig des VIII. fanden. Ein weiteres starkes
Argument Büchsels ist, dass bei der Hauptfassade eines Marienheiligtums die
Marienmutter Anna nicht zur Trumeaufigur gewählt worden wäre. Nach der Chronologie
der Figurenentstehung ist Anna auch die zuletzt ausgeführte Figur des Nordportals.Somit
ist nach Büchsels Theorie nach dem Planwechsel das ursprüngliche Südportal,
mit Ausnahme des thematisch ausgegliederten Weltgerichts, nach Norden gerückt.
Das Südportal als gedachtes Hauptportal der Kathedrale wurde als Weltgericht
neu konzipiert und an die auf der Nordseite frei gewordene Stelle des Weltgerichts
ist das Hiob – Salomo – Portal getreten. Damit wurde somit die Struktur des
Laoner Vorbildes nicht direkt, aber durch die ikonographische Interpretation
indirekt hergestellt und erweitert. „Das Hiob – Salomo – Portal übertrug die
typologische Verknüpfung von Marientriumph und Epiphanie der Laoner Ordnung
in ein neues christo - ekklesiologisches Programm. Die ungewöhnlichen Umstände
seiner Entstehung bewirkten, dass ein typologischer Zyklus nicht Teil eines
Portals, sondern zum Portal selber wurde“
2.2. Entstehung der Portalprogramme
Nachdem mit dem Bau der Königsportale in St.-Denis (1140) und Chartres (1145)
die großen thematischen Skulpturenzyklen der Frühgotik geschaffen waren, entwickelte
sich ein neues Thema an den frühgotischen Kirchenportalen. Mit dem Bau des Westportals
in Senlis ab 1170 traten erstmals mariologische Themen in den Tympana der Portalzyklen
auf. Damit in Verbindung steht die Darstellung der Wurzel Jesse in den Archivoltenszenen,
die auf die königliche Abkunft Mariens verweisen sollte. Die Westfassade in
Laon (1200) bildete mit seinen von Giebeldächern überbauten Trichterportalen
die triumphale Steigerung der bisherigen Portalarchitektur.Darin und in den
später ausgeführten Portalprogrammen kommt der Repräsentationsanspruch der triumphierenden
Kirche (siegreiche Auseinandersetzung mit den Häresien, Albignenserkriege, 4.
Lateranskonzil) zum Ausdruck. Der Aufbau der Portale wird von Symmetrie, Maß
und Schönheit in der äußeren Erscheinung der Figuren bestimmt. Die Kategorien
voriger Epochen – Pathos, Leiden, Hässlichkeit – spielen nur noch eine untergeordnete
Rolle. Diese Darstellungsform resultiert aus dem Berufen auf die Ordnung der
Heilsgeschichte, auf deren Gewissheit die Kirche sich besinnt. Die „Ecclesia
triumphalis“ tritt in den Figurenprogrammen in Gestalt der Propheten, Apostel,
Heiligen, Märtyrer und Bekenner an die Außenseiten der Kirchen, empfängt den
Eintretenden am Portal mit dieser Demonstration der kirchlichen Macht und der
Stärke des Glaubens.Der Aufbau der Zyklen ist durch eine strenge, hierarchische
Ordnung geregelt: diese weist die Figuren nach Rang und Zahl an die Orte, die
sie in der Heilsgeschichte einnehmen. Das diese Ordnung nicht unumstößlich ist,
zeigen gerade die Querhausportale in Chartres. Es sind die Themen gegeben, der
ideelle, auf die Auslegung der Heilsgeschichte basierende Überbau, jedoch wird
keine strenge Ordnung der Motive herausgebildet. Die Themen der Portale sind
vorgegeben, sie sind in der Heilsgeschichte, in den Büchern des alten und neuen
Testaments festgeschrieben, ihre Ausführung jedoch variiert.Die Ausmaße der
Neubauten ab 1190 spiegeln die Ansprüche der Kirche nach Repräsentation an
den Westfassaden und Portalen wieder. Die Fassade von Notre Dame in Paris wies
drei Portale mit 20 Figuren, Statuen an den Strebepfeilern und eine Galerie
mit 28 Königsfiguren auf. Einen vorläufigen Höhepunkt bildeten die Querhausportale
von Chartres, übertroffen nur noch von der Ausgestaltung der Westfassade und
den Portalen in Reims. Die Querhausportale in Chartres weisen 90 Statuen, wesentlich
mehr kleinere Bildwerke in den Bogenläufen der Archivolten, den Tympana, Pfeilern
und Sockeln auf.Die Bildverbindungen der Skulpturprogramme an den Querhausportalen
untereinander, und die Verbindungen der Nord- und Südportale miteinander, werden
begrifflich gedacht, nicht szenisch oder historisch. Die Konzeptionen sind keine
pure Illustration der Evangelien. Das Weltgericht in Chartres stellt die begriffliche
Kombination von Richter (iudex), Leiden (passio) und Fürbitte (intercessio)
dar. Im Marientriumph stehen unter diesem Blickwinkel im Gewände die alttestamentarischen
Repräsentanzfiguren des Opfertodes Christi und eben nicht szenisch zu denkende
Begleitfiguren des Marientriumphes.Der begrifflich zu denkende Aufbau der Portalprogramme
wird in typologischen Zusammenhängen besonders deutlich. Am Hiob – Salomo –
Portal liegen die Begriffe Richter (iudex), Leiden (passio) und Sieger (victor)
zugrunde. Durch die Konstellation der Figuren und deren typologische Bedeutung
erschließt sich dieser Zusammenhang. Das gesamte Querhausprogramm ruft Christus
und die Ecclesia unter der Vorstellung der Einheit beider an.Christus ist der
Retter, der sich geopfert hat. Dargestellt in dem die Wundmale zeigenden Richter
und den typologischen Figuren des Marientriumphes und des Hiob – Salomo – Portals.
Christus ist der Verheißene, der Inkarnierte, dargestellt am Epiphanieportal.
Christus ist der Sieger (victor), der über Tod und Teufel Triumphierende (rex
gloriae), dargestellt am Trumeau des Südportals und repräsentiert im Tympanon
des Hiob – Salomo – Portals. Christus ist auch der Wiederkommende, der Richter
und Schöpfer und als solcher im Märtyrerportal stehend und in den Archivolten
der Nordvorhalle dargestellt.Mit dem Namen Christi verbindet sich die Ecclesia.
Maria, die Gottesgebärerin, ist der ecclesiologische Spiegel des inkarnierten
Christus. Der himmlische Triumph Christi im Verein mit dem der himmlischen Kirche
ist durch die gekrönte Maria dargestellt. Maria vertritt unter dem Kreuz die
Gemeinschaft der Christen, dass ecclesiologische Prinzip, und beim Weltgericht
als die oberste Fürbitterin auch die heiligen Jungfrauen. Sie führt somit im
Weltgericht die ganze Hierarchie der Heiligen an.Die Skulpturenensembles der
Mittelportale an den Querhausarmen sind liturgisch ausgerichtet und einfacher
zu interpretieren, als die der Nebenportale. In die theologischen Programme
der Nebenportale ist oft mehr Wissen, Geist und künstlerischer Enthusiasmus
investiert als in die liturgisch dominanteren Mittelportale. Dort ist die liturgische
Dominanz reglementierend für Gestik und Physiognomie, hier sind aus der Liturgie
bekannte Gebärden ausgeführt und konventionalisiert. Den Kontrast dazu bildet
das Hiob – Salomo – Portal, welches dann als die Verweigerung vor dieser Konvention
zu verstehen ist. Die genaue, offensichtlich typologische Korrespondenz der
Portale im Norden ist durch die Planänderung aufgehoben, die begriffliche Korrespondenz
ist aber erhalten geblieben.
3 Allgemeine Baubeschreibung
der Querhausportale
3.1. Südquerhaus
An beiden Querhausarmen öffnen sich jeweils drei Portale mit großen Vorhallen.
Im Zentrum des Nordportals steht die Staue der heiligen Anna, ihr gegenüber
auf der Südseite der triumphierende Christus auf Löwen und Drachen. Unter
ihm ein betender Adliger mit einem Diener, Brot verteilend.In dieser Figur
wird ein Hinweis auf Graf Ludwig von Chartres und Blois gesehen, der die Reliquie
des Annenhaupts gestiftet hat und nach dessen Verfügung an seinem Todestag
jährlich eine Armenspeisung stattfinden sollte.Der Heiland am Trumeau entfaltet
keine kämpferische Pose, ruhig und feierlich ist er aufgerichtet. Den Segensgruß
als Gebärde zeigend und das Buch tragend, ist er die Darstellung der Gewissheit
des göttlichen Heilsplans.
Die
Apostel zu Seiten Christi an den Gewänden sind streng gereiht, kaum bewegt,
fast ausdruckslos.Im Tympanon sitzt Christus als thronender Richter unter
dem Kreuz, flankiert von den Fürbittenden, Maria und Johannes dem Evangelisten.
Im Türsturz, zu Füßen Jesu, steht der die Seelen wägende Erzengel Michael,
rechts und links von ihm die Seeligen und Verdammten.In den linken und rechten
Seitenportalen stehen in den Gewänden fast ausschließlich Heilige, in den
Archivolten sind Heiligenlegenden dargestellt. Die Ausnahme bildet der Ritter
am linken Seitenportal, der sich als christlicher Krieger den Geistlichen
zur Seite stellt. Auf dem Tympanon und dem Sturz des rechten Seitenportals
sind zwei Bekennerlegenden zu sehen, die des heiligen Martin und die des heiligen
Nicolaus. Im Tympanon des linken Seitenportals ist Christus als Erlöser und
auf dem Türsturz die Steinigung des Erzmärtyrers Stefanus zu sehen.
3.2. Nordquerhaus
In der Mitte des Nordportals, im Tympanon über der heiligen Anna sitzt zur Rechten
Christi die gekrönte Maria. Dieses aus Senlis bekannte Thema wird hier weiter
entwickelt und bekommt zeremonienhafte

Züge
durch die affektlose Darstellung und eine Kodifizierung der Geste und Bewegung
bei Maria und Christus. Im Sturz sind links Marias Tod und rechts Maria Himmelfahrt
dargestellt. Die Gewändefiguren präsentieren die geistigen Vorfahren Christi
und die Vorhallenarchivolten die Schöpfungsgeschichte. Das Thema des linken
Seitenportals ist die Epiphanie. Dargestellt sind auf dem Türsturz die Geburt
Jesu und die Verkündigung an die Hirten. Im Tympanon steht die Anbetung Christi
durch die drei Könige und deren Traum, sowie die thronende Maria mit dem Kind.
Das Gewände zeigt links die Verkündigung mit Jesaja und rechts die Heimsuchung
Marias mit Daniel.Das rechte Nordportal zeigt im Tympanon einen Teil der Hiobsgeschichte,
den in seien Wunden liegenden Hiob, umgeben von seiner Frau, seinen Freunden
und dem Teufel, der Gott im Zwickel des Bogenfeldes die Zunge herausstreckt.
Dem Sturz ist die Darstellung des salomonischen Urteils vorbehalten. Im Gewände
links stehen Salomo, die Königin von Saba und Bileam und rechts Hesekiel, Judith
und Joseph. Die Gewändefiguren bilden in ihrer als szenisch – dramatisch beschriebenen
Anordnung und Gestaltung gemeinsam mit dem Tympanon nicht nur eine ikonographische
Besonderheit, sondern auch einen schöpferischen Höhepunkt der chartreser Portalskulptur.
4.Ikonographie
der Portale
4.1. Südportal - allgemeine Bemerkungen
Das Märtyrer- und das Bekennerportal sind ebenso wie das sich auf der Nordseite
des Querhauses befindliche Hiob – Salomo – Portal ohne direkte Vorbilder in
der Portalgestaltung.Der im Zentrum des südlichen Querhausportals thronende
Christus ist mit dem Gefolge der himmlischen Chöre dargestellt. Engel in den
Archivolten, im Gewände die Apostel, Märtyrer und Bekenner in den Tympana und
Archivolten der beiden Seitenportale, und Mari,a die hier stellvertretend für
die heiligen Jungfrauen steht, flankieren den Weltenrichter am Tag des jüngsten
Gerichts. Die Seitenportale sind in diesem Sinn Teile des Weltgerichts. Ihre
Verbindung untereinander ergibt sich noch aus einem weiteren Gedanken: dem Fortwirken
der Worte Jesu. Die erstmals in Chartres im Gewände eines Portals stehenden
Jünger verbreiten die Worte Jesu als die dazu direkt von ihm Beauftragten nach
seinem Tod. Die zur Zeit der Christenverfolgung lebenden Märtyrer stehen zu
den Worten Jesu und dem Christentum angesichts des eigenen Todes und den damit
verbundenen Märtyrien. Und schließlich die Bekenner, die hier stellvertretend
im Türsturz und Tympanon des rechten Seitenportals durch Martin und Nikolaus
repräsentiert sind. Sie lassen die Worte Jesu nach der Zeit der Christenverfolgung
durch ihr Handeln und ihre barmherzigen Taten Wirklichkeit werden. Somit ist
innerhalb des Portalzyklus eine Verknüpfung geschaffen, die von den Leiden Jesu
am Kreuz (die präsentierten Wundmale) über die Teilnahme am Leiden Christi durch
das Leiden der Märtyrer bis zur Verwirklichung der Worte Jesu und der in der
Apokalypse beschriebenen Szenen des jüngsten Gerichts (Jesus als Weltenrichter
und Bekenner) reicht. Das mittlere Portal hat zwei Gottesfiguren zum Subjekt:
einmal im Tympanon und ein zweites Mal am Trumeau, wobei der Charakter unterschiedlich
ist: der Richter am Tag des jüngsten Gerichts und der, der den Eintretenden
segnet.Der Gesamteindruck der Portalanlage ist symmetrisch, die Achse führt
vom Kreuz im Zwickel des Tympanons über den thronenden Christus und den seelenwägenden
Erzengel Michael im Türsturz bis zur Trumeaufigur.
4.2. Weltgericht
4.2.1 Tympanon
Die wie Jesus thronenden Maria und Johannes der Ev. als die Fürbitter flankieren
den Weltenrichter, und sind auf diese Weise besonders in den Richterakt einbezogen.
Durch die auf einer Ebene mit dem Richter stattfindende Fürbitte wird diese
besonders betont. Der Akt des Richtens wird gleichermaßen von der Fürbitte begleitet.
Im Kontext zur Entstehungszeit lässt sich die Betonung der Fürbitte als auf
die potentielle Wiederaufnahme reuiger Häretiker in die Kirche verweisend, deuten.Maria
als die erste der Märtyrerinnen, zu der sie durch ihr Leiden unter dem Kreuz
Jesu geworden ist, schafft auf der (vom Betrachter aus gesehen) linken Seite
von Jesus sitzend die ikonographische Korrespondenz zum Märtyrerportal. Die
Fürbitter sind nicht durch die Mandorla wie in St. Denis von Christus getrennt.
Die Mandorla ist hier in einer aus der Distanz zum Portal zu sehenden Linie
abstrakt realisiert. Diese Linie wird aus der Verbindung von Michael, Maria
und dem Kreuz über Christus und Johannes gebildet
.Rechts und links
von Maria bzw. Johannes und über Christus sind die Leidenswerkzeuge tragende
Engel den Hauptfiguren des Tympanons beigestellt. In der Präsentation der Leidenswerkzeuge
ist neben den vorgezeigten Wundmalen der Christusfigur nochmals ein Verweis
auf die irdischen Leiden Christi zu sehen.
4.2.2
Sturz
In der Mitte des Türsturzes steht der Erzengel Michael, die Seelen der Verdammten
und Erlösten wägend, links die Erlösten, rechts die Verdammten, die dem aufgesperrten
Höllenschlund entgegenziehen. Interessant ist hier die eine Kappe tragende Figur.
Durch sie lässt sich ein figürlicher Bezug auf das am Nordportal genau gegenüberliegende
Hiob – Salomo – Portal herstellen. Die Figur trägt die gleiche Kappe wie einer
der als Häretiker interpretierten Freunde Hiobs.
4.2.3
Archivolten
Die Archivolten zeigen in fünf Reihen die Chöre der Engel. Im ersten Register
sind links die Seligen, der Eingang ins Paradies und der Schoß Abrahams, rechts
die Verdammten zu sehen. Im zweiten Register, auf Höhe der Fürbitter, befinden
sich sowohl links als auch rechts eine Reihe der Auferstehenden.
4.2.4
Gewände
Erstmals sind in Chartres die Apostelfiguren nicht im Tympanon oder Sturz des
Portals dargestellt, sondern als Gewändefiguren. Die Apostel mit den Märtyrerprädikaten
stehen auf Sockeln mit Hinweisen auf Szenen aus deren Leben.
Linke Seite von links nach rechts:

Rechte Seite von links nach rechts:

4.2.5
Trumeau
Die Trumeaufigur zeigt den segnenden und das Buch tragenden Christus. Sein Standort
am Eingang zur Kirche verweist auf Joh. 10,9: „Ich bin die Tür; wenn jemand
durch mich eingeht, der wird gerettet werden und wird ein- und ausgehen und
Weide finden.“ Die Christusfigur tritt dem Betrachter mit Ruhe und Würde, als
die Verkörperung der Gewissheit der sieghaften Kirche entgegen. Seine Kopfhaltung
ist die gleiche wie die des Richters im Tympanon.
4.3. Märtyrerportal
Im Zentrum und für das linke Südportal namensgebend, steht Stephanus als Erzmärtyrer.
Sein Leben und Märtyrium wird im Neuen Testament (NT) in der Apostelgeschichte
berichtet (Apg 6-7). Stephanus steht in unmittelbarer Nachfolge Christi durch
die Worte, die er seinen Peinigern entgegenhielt: „Herr, rechne ihnen diese
Sünde nicht an“ (Apg 7, 60) und deren deutlichen Bezug zu dem, was Jesus am
Kreuz sagt: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ (Lk 23,
34). Die durch das Leiden für das Christentum geschaffene Verbindung zum Weltgerichtsportal
wird hier nochmals deutlich.
4.3.1 Tympanon
und Sturz
Im Tympanon des Märtyrerportals steht Christus als Erhöhter, mit Nimbus und
von Engeln flankiert. Der Bezug zwischen dem auf dem Sturz knieend dargestellten
Stephanus während seiner Steinigung und Christus stellt sich wiederum aus
dem Text des NT her, wonach Stephanus im Angesicht des Todes sagt: „Siehe
ich schaue den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“
(Apg 7, 55).Von links betrachtet erzählt die erste Figurenreihe der Bogenläufe
die Stephanusgeschichte über den Sturz hinweg zu den rechten Bogenläufen:
Stephanus legt den Gelehrten seinen Glauben dar, die Steinigung ist auf dem
Sturz dargestellt und rechts in dem ersten Archivoltenregister steht Saulus
(Paulus) und bewacht die Kleider der Peiniger.
4.3.2
Archivolten
In der 2. Reihe der Archivolten sind die unschuldigen Kinder dargestellt, die
durch den Kindermord von Bethlehem als die Märtyrer per excellance gelten. Im
Scheitel der Archivolten steht das geopferte Lamm, darunter die Märtyrer als
die Erwählten der Apokalypse, die ihre Kleider mit dem Blut des Lammes gereinigt
haben. Weitere Archivoltenfiguren sind Märtyrer, mit Nimbus und Palmzweig, dem
typischen Märtyrersymbol, dargestellt. In den Vorhallenarchivolten stehen die
klugen und törichten Jungfrauen, die wiederum als Gleichnis für das jüngste
Gericht (kluge Jungfrauen = Selige, törichte Jungfrauen = Verdammte) stehen
und nochmals einen ikonographischen Bezug zum Mittelportal herstellen.
4.3.3
Gewände
Am Gewände des Märtyrerportals steht nochmals Stephanus, umgeben von weiteren
Märtyrern. Auf der linken Seite von außen stehen:
ein Soldatenheiliger (Theodor
oder Roland), Stephanus, Clemens, Laurentius.Rechts von innen beginnend stehen
Vinzenz, Dionysius, Piatus (dessen Grablege sich in Chartres befindet) sowie
Georg.
4.4 Bekennerportal
Das ikonographische Generalthema des rechten Portals am Südquerhaus ist das
Wirken der Bekenner in der Zeit nach der Christenverfolgung , die Verkündigung
und Verwirklichung des Wortes Christi durch das Wirken der Bekenner in den
Taten der Nächstenliebe. Die tätige Nächstenliebe geschieht im Angesicht Jesu,
der im Tympanon steht. Die Verbindung auf das zentrale Weltgerichtsthema entsteht
durch die Anrechnung der guten Taten an einem Geringeren zum Tag des Jüngsten
Gerichts (Mt. 25, 33-41).
4.4.1 Tympanon
und Sturz
Im Scheitel des Tympanons steht die Halbfigur Christi, bekleidet mit einem
Mantel. Der Legende nach ist Christus als Traumerscheinung zu Martin gekommen,
nachdem dieser seinen Mantel mit einem Bedürftigem geteilt hat.Der Sturz ist
vertikal geteilt, in seiner linken Abteilung ist die Martinslegende und auf
der rechten Seite die des Heiligen Nicolaus dargestellt. Es stehen jeweils
zwei Darstellungen übereinander, die von unten nach oben zu lesen sind. Links
unten teilt Martin seinen Mantel und darüber ist er schlafend dargestellt,
der im Tympanon stehende Christus erscheint ihm im Traum. Problematisch ist
die doppelte Darstellung Martins als Schlafender, wofür es keine Erklärung
gibt.Rechts unten verteilt Nicolaus Almosen an den verarmten Vater und dessen
Töchter, bleibt dabei aber für diese „unsichtbar“ hinter einem Paravent. Darüber
laben sich Kranke und Krüppel an den vom Sarkophag Nicolaus ausströmenden
heilenden Kräften.
4.4.2
Archivolten
Im ersten Register ist die Ägidiuslegende dargestellt und in den oberen Registern
stehen ausgewählte Bekenner.
4.4.3
Gewände
Die Gewändestatuen des Portals sind weitere Bekenner. Das sowohl Nikolaus als
auch Martin nochmals in Erscheinung treten, ist ein Hinweis auf deren herausragende
Bedeutung als Bekenner und Heilige.Links von außen gesehen stehen
-
Laumer
-
Pabst Leo
-
Ambrosius
-
Nikolaus
und rechts von innen stehen:
-
Martin
-
Hironymus
-
Gregor der Große
-
Avitus.
4.5.
Nordportal - allgemeine Bemerkungen
Im Gegensatz zum ikonographisch konsistenteren und leichter zu lesenden Südportal
wirkt das Nordportal wesentlich heterogener. Die Ursachen für diese Besonderheiten
liegen in dem am Hiob – Salomo – Portal offensichtlich werdenden Planwechsel.
Aus diesem Grund ist die Betrachtung des Hiob – Salomo – Portals für die Klärung
der Zusammenhänge und Verbindungen sowohl der drei Nordportale untereinander
als auch der Verbindung zwischen den Programmen der Nord- und Südquerhausportale
wesentlich. Ich werde mich bei der vorangestellten Darstellung der Ikonographie
der beiden anderen Portale – Marientriumph- und Epiphanieportal – auf die Figurenbeschreibung
und die Darstellung der ikonographischen Figurenbeziehungen beschränken und
dem Hiob – Salomo – Portal einen größeren Umfang bei der Erörterung des ikonographischen
Programms einräumen.
4.6 Marientriumph
Das Generalthema des mittleren Nordportals ist die Gottesmutter Maria und die
Darstellung von Themen aus ihrem Leben. Insbesondere durch die Gewändefiguren
des Portals werden typologisch auf vielfältige Weise Verbindungen zwischen Altem
und Neuem Testament sowie zwischen christologischen und mariologischen Themen
hergestellt.
4.6.1 Tympanon
Im Tympanon des Marientriumphportals thronen Maria und Jesus unter einem Baldachin,
flankiert von Engeln. Christus segnet die bekrönte Maria, mit der anderen Hand
hält er das präsentierte Buch auf seinem Knie.
4.6.2
Sturz
Im durch eine Säule zweigeteilten Sturz finden sich zwei weitere Marienszenen,
rechts Maria Himmelfahrt und links Maria Tod, mit dem an ihrem Lager stehenden
Christus und seinen Jüngern.
4.6.3
Archivolten
Die Archivolten zeigen Engel, die Wurzel Jesse, Propheten und andere alttestamentarische
Figuren, die auf die Vorfahren Christi verweisen.
4.6.4
Vorhallenarchivolte
Die Vorhallenarchivolten zeigen in zwei Reihen die Schöpfungsgeschichte. Dabei
wird die Gegenwart Gottes, des Schöpfers, durch die Parallelstellung von Gottesfigur
am äußeren Bogenlauf zu dem konkret dargestellten Schöpfungsvorgängen zum Thema
der gesamten Vorhallenarchivolte. Von links unten zur Bogenspitze sind paarweise
zu sehende Darstellungen der Erschaffung
und darauf folgend nach rechts unten die Geschichte Adams
und Evas mit
4.6.5
Gewände
Im Gewände des zentralen Portals am Nordquerhaus stehen Könige, Patriarchen,
Propheten und neutestamentarische Figuren, die auf des Leben Christi verweisen
oder als Prototypen Christi gelten.Linke( östliche) Seite von links nach rechts:
-
Melchisedek: Der Priesterkönig, der bei seiner Begegnung
mit dem noch gerüsteten, (1. Mose 18-20) vom Feldzug heimkehrenden Abraham
Brot und Wein bringt und ihn segnet. Typologisch steht Melchisedeks Opfer
für die Kreuzigung Christi.
- Abraham: Der als ältester Patriarch des jüdischen Volkes gilt. Auf Gottes
Geheiß (1. Mose 22) ist Abraham bereit, seinen Sohn Isaak zu opfern. Er hört
jedoch die Einhalt gebietende Stimme eines Engels und opfert statt des Sohnes
einen Widder. Typologisch gilt der Vorgang als Symbol für den Kreuztod Christi
und bildet hier ein christologisches Element am Marienportal.
-
Moses: Die
bedeutendste Gestalt des Alten Testaments, der jüdische Religionsstifter
ist hier mit der Gesetzestafel dargestellt. Ereignisse seines Lebens werden
typologisch denen im Leben Christi gleichgesetzt.
-
Aaron: Der Bruder Moses. Er gilt als der Erwählte, weil
sein auf die Bundeslade gelegter Zweig als einziger grünte (Stabwunder).
Dieser Vorgang steht für die unbefleckte Empfängnis Marias.
-
David:
Der
als Prototyp Christi geltende alttestamentarische König steht dem Eingang
am nächsten und schließt die linke Figurenreihe des Gewändes ab.

Rechte Seite von links nach rechts:
- Jesaja: Der erste der vier großen
Propheten, verheißt die Geburt des Messias. Er ist hier mit einem Spruchband
dargestellt. Für die typologische Bedeutung gilt sein prophetisches Wort,
(Jes. 7,14) mit dem er die Geburt des Kindes durch eine Jungfrau weissagt.
-
Jeremia: Der zweite der vier großen Propheten, der auf
göttliche Weisung hin die mahnende Verkündigung verfasst, auszuharren im
Leiden und im Untergang ohne die Hoffung auf Erlösung aufzugeben.
-
Simeon: Der ehrwürdiger Greis, der bei der Darbringung
im Tempel in Jesus den Messias erkennt und mit weissagenden Worten begrüßt.
-
Johannes derTäufer: Gilt als der Vorläufer und Wegbereiter
Christi.
- Petrus: Der nach Christi Tod die Führung der Gemeinde in Jerusalem übernahm.
Ihm werden die Schlüssel für das Himmelreich nach dem Bekenntnis in Cäsarea
übergeben. (Matth. 16,19).

4.7. Epiphanieportal
In Korrespondenz zum Maria - Triumph – Portal ist hier die Epiphanie im Mittelpunkt
der Darstellung zu sehen und die heiligen drei Könige werden in der Darstellung
im Tympanon zu Handlungsträgern. Die Verbindung zum Mittelportal stellt sich
durch die das Jesuskind präsentierende Maria dar. Hier findet die ikonographische
Verbindung zwischen christologischen und mariologischen Elementen in der Portalskulptur
sowohl innerhalb des Tympanons als auch zwischen Mittel- und Ostportal am
Nordquerhaus statt.Von der Ausführung her wirken die Figuren des Epiphanieportals
nach Büchsels Feststellung
eher unfertig oder schematisch, jedoch sind auch herausragend gestaltete Figuren
an dem Portal zu finden. Das führt Büchsel auf den Zeitdruck bei der Herstellung
des Portals zurück, wobei es zu einer Mischung von schon fertiggestellten
mit schnell gehauenen Figuren gekommen sein muss. Dieser Zeitdruck entstand
nach seinen Überlegungen auf Grund des Planwechsels beim Bau der Querhausportale.
Gleiches stellt Büchsel auch für die Figuren des Weltgerichts auf der Südseite
fest.

4.7.1 Tympanon
Hier sind die Anbetung Christi durch die drei Könige und deren Traum, in dem
sie vor der Rückkehr zu Herodes gewarnt werden, sowie die thronende Maria mit
dem Kind abgebildet.
4.7.2
Sturz
Auf dem vertikal geteilten Sturz ist links die Geburt Jesu und rechts die Weissagung
an die Hirten zu sehen.
4.7.3
Archivolten
In den Archivolten stehen die Klugen und die Törichten Jungfrauen, Engel, Selige,
Tugenden und Laster.
4.7.4
Gewände
Die Gewändefiguren sind von links begonnen:Jesaja, gefolgt von der Verkündigung
an Maria. Der Engel hat den Redegestus und Maria trägt ein Buch. Rechts im
Gewände ist die Heimsuchung Marias (Lk. 1, 39-56) mit Daniel zu sehen. Daniel
ist einer der vier großen Propheten des Alten Testaments und die Szene von
Daniel in der Löwengrube steht typologisch für die Geburt und die Auferstehung
Christi.
4.8.
Hiob - Salomo - Portal
Das gesamta Nordportal kann als Ausdruck der Spannungen innerhalb der Kirche
zu Beginn des 13. Jh. gesehen werden. Diese Spannungen findet am Hiob – Salomo
– Portal in Chartres ihren Kulminationspunkt und somit wird die Interpretation
des Hiob – Salomo – Portals als Schlüssel für die Gesamtinterpretation des
Nordportals gesehen.Die Entstehungszeit des Portals liegt um 1220 und es wird
wegen der Parallelen der Skulpturengestaltung am Johannesportal in Sens einer
von dort kommenden Werkstatt zugeschrieben. Das lebendige Relief des Tympanons
mit seinen raumgreifenden, ausdrucksstark und plastisch geformten Figuren,
mit seiner aus der Bedrängung Hiobs durch die falschen Freunde und Satan entstehenden
Dynamik, wird nicht nur interpretatorischer Schlüssel, sondern ist auch gestalterischer
Höhepunkt der chartreser Querhausportale. Hiob steht typologisch als Bild
für die Leiden Christi und dessen endgültigen Triumph. Salomo gilt als Bild
der ewigen Weisheit und als Prototyp Christi. Das Leiden Hiobs wird in diesem
Sinn seit dem Hiobskommentar Gregors des Großen verstanden, völlig neu ist
in der chartreser Darstellung das Auftreten des Widersachers, des Teufels
im Tympanon. Hier fechten Gott und Teufel den Streit um Hiob personifiziert
im Bogenfeld miteinander aus.Die Darstellung der vom Hohn unberührbaren göttlichen
Macht und der Unantastbarkeit göttlichen Urteils, ausgedrückt durch die Gelassenheit
des Gottesbildes gegenüber Salomons Verhöhnung, weist auf den Sieg der Kirche
innerhalb der am Beginn des 13. Jh. stattfindenden Auseinandersetzung mit
den vom allgemeingültigen Glauben abweichenden Häresien hin. Gemeinsam mit
der Weisheit des göttlichen Urteils, im Sturz des Portals durch das salomonische
Urteil dargestellt, wird so das Thema des Portals gebildet: der Sieg der Ecclesia
militans über ihre Gegner. Dieses Thema ist dann auf der Südseite, beispielsweise
im Beau Dieu der Trumeaufigur wieder aufgenommen und reflektiert. Dort steht
mit Jesus die sieghafte Kirche, die den Eintretenden segnet, gelassen das
Buch präsentierend und so auf die Basis der Lehren und Glaubensauslegungen
verweisend. Er ist die Darstellung der Gewissheit des göttlichen Heilsplans.
4.8.1 Tympanon
Im Zentrum des Tympanons steht die Verhöhnung Hiobs durch seine drei falschen
Freunde und seine lamentierende Frau, die gegen den Dulder und den Richter eifert.
Der Teufel beugt sich vereinnahmend über Hiob und streckt dem Gott über ihm
zum Hohn die Zunge heraus.Die drei Freunde werden als die höhnischen, verächtlich
intellektuellen Übeltäter interpretiert, als die Häretiker schlechthin. Der
die Kappe tragende falsche Freund Hiobs hat sein Pendant im Märtyrerportal auf
der linken Sturzseite und im sich zurückwendenden Verdammten im Sturz des Weltgerichts.
Einer der Freunde scheint die Hand Satans zu berühren und ihm somit besonders
nahe zu stehen.
4.8.2
Sturz
Im Sturz ist das salomonische Urteil zu sehen. Die räumlich gefasste Szene mit
der Vollstreckung des Urteils und dem Kind steht in der Mitte des Sturzes, links
sitzt Salomo auf seinem Thron, rechts stehen die guten und schlechten Ratgeber.
Bei den schlechten Ratgebern lassen sich die gleichen Kopfhaltungen wie bei
den falschen Freunden Hiobs erkennen, die Stirnfalten laufen quer, wie bei der
mit der Synagoge identifizierten falschen Mutter. Die falschen Ratgeber haben
würdelose Haltungen und fast monströse Gesichtszüge. In Korrespondenz mit den
schlechten Ratgebern kann man die falschen Freunde im Tympanon sehen. Im Gegensatz
dazu korrespondiert der ganz rechts außen stehende einzige gute Ratgeber mit
Salomon, er sitzt in würdiger Haltung am äußeren Rand der Urteilsszene.Die falsche
Mutter, mit der Synagoge identifiziert, steht hier für die Ungläubigen, Verworfenen
und die Häretiker. Die wahre Mutter wird im salomonischen Urteil präfigurierend
mit der Kirche (Ecclesia) gleichgesetzt, während die Synagoge verstoßen wird.
Die Vollstreckung des Urteils vollzieht sich in der Mitte des Sturzes, so wie
sich für den Sturz und den Tympanon eine übergreifende, dynamische Mittelachse
beschreiben lässt. Die Armhaltung Ecclesias weist auf Gott im Zwickel des Bogenfeldes.
In den Händen hielt die Figur Gottes vor der Zerstörung wohl den Stab, der gebrochen
wird. Darunter findet der Kampf um Hiob statt, das Haupt Hiobs liegt wiederum
auf der Mittelachse unter dem Gottesbild und über der Urteilsszene.
4.8.3
Archivolten
Die Symmetrie der Engelfiguren in der innersten Archivolte gilt als Ausdruck
der göttlichen Gleichheit. Weiter sind von innen nach außen die Mission Simeons
und Gideons, die Esther- und Judith Geschichte, sowie ganz außen die Tobit -
Tobias Geschichte dargestellt.
4.8.4
Gewände
Im linken Gewände stehen von links Bileam, die Königin von Saba und Salomo.
Bileam ist typologisch die traditionell mit dem Paar Königin von Saba und
Salomo verstandene Figur. Bileam weissagt den Hinweis auf die Menschwerdung
Christi, „Es wird ein Stern ausgehen von Jakob“ (4. Mos. 22-24). Sabas Huldigung
an Salomo wird als Verweis auf die Anbetung Jesu durch die drei Könige typologisch
interpretiert. Auf der rechten Seite des Gewändes stehen von links Hesekiel,
Judith und Joseph.Judith ist szenisch zur Königin von Saba angeordnet. Sie
gilt als Prototyp von Maria und Ecclesia. Außerdem wird sie die Retterin der
Stadt Bethulia, indem sie dem trunkenen Holofernes das Haupt abschlägt und
durch die zur Schaustellung desselben die Belagerer in die Flucht zwingt.Der
dritte der vier großen Propheten, Hesekiel, steht durch seine Vision vom verschlossenen
Tor, (Hes. 44,1) die als Mariensymbol gilt, konzeptionell innerhalb der Gewändefiguren.
Kompositorisch ist er durch die Korrespondenz mit den Falten des Judithgewands
in die Reihe der Gewändefiguren eingebunden.Joseph als Gemahl der Maria bildet
den Abschluss der Gewändefiguren an der rechten Seite des Hiob – Salomo –
Portals.
5. Schlussbemerkung
Typologisch stehen sowohl Salomon als auch Hiob ohne das neutestamentarische
Gegenstück innerhalb des Nordportals. Jedoch hilft das Gottesbild im Tympanon,
das Portal als einen sich selbst zu erklärenden Typus zu deuten: Die Verbindung
von Göttlichem und Irdisch – Menschlichem, von Gericht, Urteil und Erduldung
ist nach Büchsels Ausführungen
der Schlüssel für das Verständnis des Hiob –
Salomo – Portals. Die drei Zonen des Portals vom Sturz aus zum Zwickel des Tympanons
betrachtet, zeigen die Abfolge von Divinitas, Humanitas Dei und Ecclesia, oder
eben von Gericht, Kreuzigung und Parusie. Die Parallele zur Südfassade wird
deutlich, dem eben beschriebenem Programm des Hiob – Salomo – Portals steht
die Verknüpfung von Kreuzigung durch den die Wundmale zeigenden Christus und
Urteil im Weltgerichtsportal gegenüber. Das Portal zeigt noch zwei andere Parallelen
zum Weltgericht:
-
die Gerechten (Hiob, Salomo, Ecclesia) stehen auf der
rechten, die Verdammten (Teufel; Dämonen, die in den Archivolten und Konsolen
nur auf der Seite des Teufels zu sehen sind und Synagoge) auf der linken
Seite des Gottesbildes
-
Synagoge und Ecclesia sind thematisch als die Anführerrinnen
der törichten und klugen Jungfrauen in das jüngsten Gericht einbezogen.
Durch die Gewändefiguren und deren typologische Interpretation sind auch
die Verbindungen des Hiob – Salomo – Portals zu den beiden anderen Nordportalen
geschaffen. Diese Verbindungen werden vor allem durch die mariologischen Verweise
hergestellt. Die christologischen Zusammenhänge lassen sich eher am Tympanon
nachweisen. Somit ist das in seiner Gesamtstruktur gegenüber den Südportal
viel schwieriger und inkonsistenter wirkenden Nordportal durch die typologische
Interpretation und das damit verbundene Herstellen der konzeptionellen Zusammenhänge
sowohl der einzelnen Portale am Nordquerhaus untereinander, als auch der bestehenden
Verbindungen zwischen Nord- und Südquerhaus erklärt.Dabei nicht zu vergessen
ist, dass die Interpretation in sich schlüssig sein mag, sie was die tatsächlichen
Vorgänge während des Planwechsels anbelangt, jedoch Spekulation bleibt. Insbesondere
Büchsels Beitrag zur Rekonstruktion der Baugeschichte des Querhauses stützt
sich maßgeblich auf die ikonographische Interpretation und kommt so zu einem
schlüssigen Ergebnis. Im Gegensatz dazu hat van der Meulen einen kriminologisch
anmutenden Indizienbeweis für seine Theorie erbracht, der mit offensichtlichen
Spekulationen angereichert ist. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich
die Auseinandersetzungen mit den Querhausportalen in Chartres, ohne den tatsächlichen
Grund für den Planwechsel und die damit verbundenen Auswirkungen auf Konzeption
und Gestaltung der Querhausportale herausfinden zu können.In der neuesten
Veröffentlichung zur Kathedrale von Chartres, wird auf einen
ganz anderen, viel pragmatischer wirkenden Aspekt im Zusammenhang mit der
endgültigen Gestaltung der Portalprogramme verwiesen. Demnach sind die Programme
vor dem Zeitpunkt der endgültigen Montage zwar konzipiert und dementsprechend
gestaltet worden, aber es blieb immer noch die Möglichkeit, das bereits Geschaffene
neu zu kombinieren und wenn nötig, auch nochmals umzuarbeiten, um die Plastik
den neuen Erfordernissen - sowohl baulicher als auch konzeptioneller Art -
anzupassen.Dieser pragmatische Aspekt, den in anderem Zusammenhang auch Kimpel
und Sukale betonen, führt auch
nicht zur Klärung der Rätsel um den Planwechsel in Chartres, aber er vereinfacht
möglicherweise die Begründung ungeklärter Details.Die Unterordnung der Interpretation
der Portalprogramme unter eine als Metaebene fungierende Idee hat den Erfolg
der interpretatorischen Konsistenz und die Transparenz der ideellen Gehalte.
Jedoch setzt sie einen für heutige Denkweisen ungewöhnlichen Grad an Abstraktion
bei der Gestaltung und dem Verständnis der Portale voraus. Das Ungewohnte
resultiert meiner Meinung nach aus dem Unbekannten.Somit scheint es mir sinnvoll,
neben der interpretatorischen Metaebene, dem Nachvollziehen des ideellen Überbaus,
einen weiteren Aspekt nicht unterzubewerten: den der Alltagspraxis am Beginn
des 13. Jahrhunderts. Ganz pragmatisch ist vorstellbar, das sich auf Grund
des für den mittelalterlichen Kirchenbesucher präsenten liturgischen und biblischen
Hintergrundwissens die Frage nach (möglicherweise mühseliger) Interpretation
gar nicht stellte. Für den mittelalterlichen Kirchenbesucher war der Eintritt
in die Kirche selbstverständlicher Teil des Alltagslebens. Ist nicht sinnvollerweise
anzunehmen, dass die theologischen und ideologischen Inhalte der Portalskulpturen
zum Alltagsverständnis gehörten, dass das Wissen um die typologischen Zusammenhänge
der dargestellten Figuren zu einem wesentlichen Teil Alltagswissen gewesen
ist, das selbstverständlich erworben wurde, über das selbstverständlich verfügt
wurde und das als solches keiner außerordentlichen Erörterung bedurfte?Die
Aussage, das „Storyboard“ und die Metapher der Portalprogramme mögen klar
gewesen sein oder sich für den die Kirche durch das Portal betretenden Pilger
oder das städtische Gemeindemitglied gar nicht gestellt haben. Die Kirche
war ideelles Zentrum und zugleich Fixpunkt des Alltagslebens, der sich bis
heute vollständig gewandelt hat. Im praktischen Vollzug hat sich die „Botschaft“
der Portalprogramme zu bewähren gehabt und hatte eine Funktion inne, die sich
bis heute vollkommen verändert hat und von anderen Medien übernommen wurde.
Durch das Kirchenportal wurde auf die Macht der Kirche und des Glaubens verwiesen,
wurde die Gewissheit des göttlichen Heilsplans über die Liturgie hinaus dauerhaft
an der Außenseite der Kirche präsent, für jeden jederzeit „nachlesbar“.Wäre
es also nicht denkbar, dass der Grund für den Planwechsel ein ganz pragmatischer
war? Die Innovation bei der Gestaltung des Hiob – Salomo – Portals duch die
in ihm enthaltenen Ideen, die Verweise und das im Portal klar enthaltene typologische
Programm sind so außerordentlich, daß möglicherweise die Idee selber der Anlass
für die Planänderung gewesen sein könnte. Der Konjunktiv steht hier bewußt,
ist dieser Erklärungsversuch am Ende doch nur eine weitere Spekulation von
mir.
Dresden, im November 2001
6 Literaturverzeichnis
6.1. Verwendete Literatur
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der Kathedrale von Chartres. Berlin
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